Kann man überspringen: ‚SPECTRE‘

Veröffentlicht: 17. November 2015 von mateschrank in 007, David Arnold, Emily Blunt, Idris Elba, James Bond, Matthew Goode, SPECTRE, Thomas Newman

==Alles voller Spoiler==

‚SPECTRE‘ von dem eigentlich talentierten Regisseur Sam Mendes ist nun raus. Die Handlung des Films kann man gut als grauenhaft zusammenfassen. Die Motivationen der Charaktere bleibt größtenteils unklar. Das Beispiel dafür ist Madeleine Swann (Léa Seydoux):

Swann will nichts von ihrem Vater wissen – Swann will wissen, was mit ihrem Vater geschehen ist; Swann will nichts von Bond – Swann liebt ihn; Swann kommt mit nach London – Swann will mit dem Agentenkram nichts mehr zu tun haben.

Die Geschlechterrollen sind einfach nur schlimm, der Film erfüllt nicht den Bechdel-Test. Der absolute Tiefpunkt der Damen ist Monica Beluccis Charakter: Sie hatte nichts unter dem Beerdigungskleid an, schläft vollkommen ohne Motivation mit dem Mörder ihres kürzlich verstorbenen Ehemannes [obwohl sie meinte, in fünf Minuten kommen ihre nächsten Killer] und hat danach [!] auf dem Bett liegend ein Korsett an [Was haben sie genau gemacht?]).

Die Spezialeffekte sind teilweise katastrophal (vor allem im Opening Shot: Craig-Kopf auf Stuntman, der vor einem Green-Screen langläuft und das obwohl das Szenario nicht einmal besonders gefährlich war), die Beleuchtung/Farbpalette kam mir vor wie aus ‚Star Wars: Episode 2‘ und der Score prägt vor allem eine Lustlosigkeit (hauptsächlich Wiederholungen von Thomas Newmanns ‚Skyfall‘). Manche Sachen ergeben einfach überhaupt keinen Sinn: Hat Mr. White (Jesper Christensen) bei jedem Besuch im L’Americain die Wand zertreten und dann wieder zugemauert? Wieso hat die kleine Madeleine das nicht mitbekommen? Wo landete das Flugzeug, mit welchem Bond um die Klinik auf dem Berg gekreist ist? Was war die Motivation von S.P.E.C.T.R.E. Swann zu jagen? Kann die marokkanische Eisenbahn nur Rechtskurven bauen? Was für eine Relevanz hatte es, dass Blofeld Bond von früher kannte? Hat keiner von den marokkanischen Schurken den Umgang [vor allem das Zielen] mit Pistolen und Gewehren gelernt? Was sollte die Schnitzeljagd im alten Geheimdienstgebäude? Wie viele Tage Vorbereitung hat S.P.E.C.T.R.E. dafür gebraucht? Müssen Hubschrauber entlang von Wasserwegen fliegen?

Christoph Waltz als lang erwarteter Bond-Bösewicht kann leider überhaupt nicht glänzen. Moneypenny (Naomie Harris) und Tanner der Assistent von M (Rory Kinnear) sind in dem Film quasi überflüssig.

Zum Positiven: Cinematographisch ist es meist gut, Q (der talentierte Ben Whishaw) macht Spaß (der Humor war allgemein gut) und die Autoverfolgungsjagd mit Bond (Daniel Craig) und Mister Hinx (Dave Bautista) ist klasse.

Aber trotzdem: Der Film hat nächträglich eine Schneise der Verwüstung in die Craig-Reihe geschlagen (Was hatte Silvas Rache beispielsweise mit S.P.E.C.T.R.E. zu tun?) und wird mein „Kristallschädel-Indy“ – also der Teil, den ich einfach nur leugnen werde.

Ich sage das nicht oft, aber ein Reboot muss her:

Am besten Idris Elba (bekannt aus ‚Luther‘), Matthew Goode (Adrian Veidt/Ozymandias in ‚Watchmen: Die Wächter‘ und Hugh Alexander in ‚The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben‘), Damian Lewis (‚Life‘, ‚Band of Brothers – Wir waren wie Brüder‘ und ‚Homeland‘) oder Emily Blunt (‚Sicario‘, ‚Edge of Tomorrow‘ und ‚Looper‘) in den 1970er Jahren, dann kommt auch keiner auf die bescheuerte Idee, Bilder und Animationen in Code zu malen. David Arnold, der Komponist der grandiosen Scores von ‚Casino Royale‘ und ‚Quantum of Solace‘ sollte zurückkehren. Das wäre dann ein interessanter Neuanfang.

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