Die Russen sind wieder da!

Veröffentlicht: 14. Januar 2016 von mateschrank in Mission Impossible

Soviet propaganda poster, Museum of Political History, St. Petersburg

Foto: Garrett Ziegler: Soviet propaganda poster, Museum of Political History, St. Petersburg, flickr.com CC 2.0.

Laut Klaus Dodds, einem Professor für Geopolitik an der University of London, schauen „viele Menschen Filme und genießen sie ohne unbedingt über die Handlungen, Orte oder Dialoge in größerem Maße zu reflektieren“. Reflektiert man jedoch den Inhalt des Erzählten und die visuelle Form, gelangt man schnell zu akademischen Debatten – in seinem Falle der des Kriegs gegen den Terror („For many people, films are to be watched and enjoyed without necessarily reflecting on storylines, locations, or dialogue in any great detail. If you did reflect more deeply on their narrative content and visual form then you would be in the company of scholars contributing to a debate about ‘film in an age of terror’.”, Klaus Dodds: Geopolitics – A Very Short Introduction, Oxford 2007, S. 145). Für Dodds sind Filme ein Teil der sogenannten „Popular Geopolitics” (Kandidat 1307840: Analysing Iron Man (2008), Datum unbekannt). Diese sind laut Professor Jason Dittmer vom University College London der „alltägliche geopolitische Diskurs, dem die Bürger ständig ausgesetzt sind“ („the everyday geopolitical discourse that citizens are immersed in every day”, Jason Dittmer: Popular Culture, Geopolitics & Identity, Plymouth 2010, S. 14). Vor diesem Hintergrund ist es interessant, dass in den vergangenen fünf Jahren immer mehr und immer wieder böse Russen – aber auch mit denen verbündete Belarussen, Serben und selbst Südosseten – verstärkt in nordamerikanischen TV- und Film-Produktionen auftauchen. Damit gelangt das alte Feindbild des „bösen Russen“ wieder verstärkt ins öffentliche Bewusstsein. Film und Politik verstärken somit ihr Bild vom „Feind im Osten“. 

Die Darstellung des „bösen Russen“ kann klein sein, wie in einer Folge ‚Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D.‘, die in Nord- und Südossetien, also einer Teilrepublik der Russischen Föderation und einem Raum prekärer Staatlichkeit am Rande Russlands, spielt (Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D. S01E07: The Hub). Es geht weiter in Filmen wie ‚Jack Ryan: Shadow Recruit‘, in welchem ein böser russischer Geschäftsmann eine Wirtschaftskrise auslösen will. Bis hin zum absoluten Tiefpunkt, dem hochkarätig besetzten Thriller ‚Child 44‘, in welchem die Sowjetunion dargestellt wird wie Mordor, wie es der russische Kulturminister Wladimir Medinski treffend beschrieb. Letzterer Film wurde in den Staaten der Eurasischen Union (Belarus, Kasachstan, Kirgisistan und Russland) zurecht nicht in den Kinos gezeigt, jedoch auch nicht in der Ukraine und erst verspätet in Georgien. 

Zum Nachdenken hier mal eine kleine Auflistung von Filmen und Serien aus den USA, in denen „böse Russen“ eine größere Rolle spielen.
Filme:

– Iron Man 2 (2010)

– Mission: Impossible – Ghost Protocol (2011) [ambivalente Rolle]

– Tinker Tailor Soldier Spy (2011)

– Jack Reacher (2012)

– Die Hard 5 (2013)

– The November Man (2014)

– Jack Ryan: Shadow Recruit (2014)

– The Man from U.N.C.L.E. (2015) [ambivalente Rolle]

– Bridge of Spies (2015)

– Child 44 (2015)

Serien:

– The Assets (2014)

– The Americans (ab 2013)

– Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D. (seit 2013)

– House of Cards – Staffel 3 (2015) [eine Kompilation von anti-russischen Klischees]

Flattr this

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s