Der Tag, an dem eine Horde weißer, nordamerikanischer Mit-50er-Frauen auf Twitter über mich herfiel

Veröffentlicht: 17. Juni 2016 von mateschrank in Longmire, Twitter

Wie einige Freunde des Mateschranks wissen, bin ich ein großer Fan der Serie ‚Longmire‘. Meiner Meinung nach ist ‚Longmire‘ die cinematographisch beste Fernsehserie überhaupt, hat eine tolle, packende Geschichte, klasse Musik und überzeugende Charaktere. Beim Budget und manchmal auch beim Schauspiel hadert es hin und wieder, aber darüber kann ich hinwegsehen. Auf dem US-Sender A&E galt die Serie lange Zeit als eine der erfolgreichsten Formate überhaupt, bis sie abgesetzt wurde – die durchschnittliche Zuschauerschaft war zu alt und jenseits der marktrelevanten Zielgruppe von 14 bis 49 Jahren. Doch Netflix nahm die Serie auf und bescherte uns eine vierte Staffel, eine fünfte folgt in diesem Jahr.

Da der Neowestern keinen Massenanhang (wie beispielsweise ‚Game of Thrones‘) hat – weder in Nordamerika noch in Westeuropa – ist die Zahl der Fanblogs, Podcasts, Twitter-Accounts und anderen Informationsquellen äußerst rar. Es gibt einen Podcast mit einer verdammt schlechten Audioqualität und und einen Twitter-Account, beide firmieren unter dem Namen ‚Longmire Posse‘. Ich folgte beiden Formaten mangels Alternativen.

Doch der Twitter-Account hat die Angewohnheit, nicht normal auf andere Tweets zu reagieren, sondern alle Mentions für alle sichtbar zu tweeten. Das führt dazu, dass die eigene Timeline die ganze Zeit mit Tweets vollgeschwemmt wird, die man nicht sehen will und die einen auch nicht interessieren. Mehrmals nutzte ich die Funktion ‚Mute‘ bei meiner App Tweetbot, um den Account auszublenden, doch regelmäßig kehrte ich immer wieder zurück (es gibt ja nichts anderes).

Als es vor ein paar Tagen wieder zu viel wurde, sandte ich einen Tweet ab, um die eigenartige Mention-Politik des Longmire-Posse-Accounts zu kritisieren und entfolgte dem Account.

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Doch das brachte nur den Stein ins Rollen… Es war einfach nur als Kritik gedacht, die ich auf Nachfrage auch gerne konkretisierte. Doch ich ahnte ja nicht, was nun kommen würde. Anstatt einfach die Kritik anzunehmen, spamte die Dame hinter dem Posse-Account alle ihrer Follower zu und eine Horde weißer, nordamerikanischer Mit-50er-Frauen fiel auf Twitter über mich her. Zuerst begann es harmlos:

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Selbstverständlich war ich so konstruktiv und konkretisierte meine Kritik. Vieleicht würde sich die Account-Politik ja ändern und viele mögliche Follower von Spam verschont bleiben:

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Sowie noch detaillierter…

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Und zuletzt noch als finale 140 Zeichen (gedacht):

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Und nun ging es los… Der erste Tweet fand meinen Beitrag nur „komisch“:

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Der nächste Tweet meinte, dass ich Journalismus mit Cheerleading durcheinandender bringen würde:

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Eine interessante Analyse angesichts der vier Mal 140 Zeichen, die ich geschrieben habe.

Eine ältere Dame fragte nach, was ich denn kritisieren würde:

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Und die nächste Frau mittleren Alters warf mir vor, dass mein urprünglicher Tweet keinen Sinn ergeben würde:

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Doch langsam eskalierte die Situation. Die nächste Dame meinte, dass mein verhalten lächerlich und arrogant sei:

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Danach stellte eine Dame mittleren Alters meine Existenz in Frage, indem sie „David“ schrieb. Außerdem sei ich ein Troll (nachdem ich vier Tweets mit konkreter Kritik verfasst hatte!) und solle gefälligst einen Social-Media-Kurs belegen.

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Die nächste Dame wünschte sich mich einfach weg.

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Die Frage ist nur, wovon. Sollte ich komplett aus Twitter austreten?

Dann antwortete der ursprüngliche Longmire-Posse-Account wieder (dieser war ja auch als einziger Account überhaupt adressiert worden) und meinte, dass meine Kritik „nicht aufschlussreich“ sei.

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Neben ein paar anderen Tweets implizierte die Dame, die schon meine Existenz in Frage gestellt hatte, dass ich doch gefälligst in Ehrfurcht vor dem Longmire-Posse-Account niederknien solle.

Dann meldete sich erneut Elise, die älteste Frau, mit der ich je auf Twitter interagiert habe, wieder zu Wort und meinte, ich sei nicht der Richter, sondern Twitter.

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Mir war nicht klar, dass ich so etwas behauptet hätte.

Der nächste Account von Ellen McClinton stimmte Elise zu und warf mir vor, dass ich die Gruppe von Damen einen Haufen des Nicht-Schreiben-fähiger Philister zu sein.

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Wie sie darauf kam, ist mir vollkommen schleierhaft. Selbstverständlich ist dieser Kommentar lächerlich (ihrer, nicht meiner).

Die äußerst kreative Auslegung meiner vier Tweets ging jedoch noch weiter und man warf mir vor, dass ich mich überlegen fühlen würde.

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Zu guter letzt empfahl man mir dann, dass ich doch gefälligst Online-Etikette anlernen solle und vielleicht lernen müsse, höfliche Unterhaltungen zu führen.

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Damit endete diese äußerst eigenartige Episode im Twitterverse wieder. Die knapp ein Dutzend Damen mittleren Alters stellten ihre aggressiven Tweets wieder ein. Der Longmire-Posse-Account und eine weitere Dame (jene, die meine Existenz in Frage gestellt hatte) blockierten mich bei Twitter und somit kann ich nun auch gar nicht mehr zum Longmire-Posse-Twitter-Account zurückkehren, selbst wenn ich wollte. Ich folge nun den Accounts mehrerer Schauspieler und eines Drehbuchautors der Serie – das muss reichen. Und wir alle lernen daraus: Leg dich nicht mit der Posse an…

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