Ein klassischer Fehlstart…

Veröffentlicht: 29. September 2017 von mateschrank in Abrams, Abramsverse, Michael Giacchino, Soundtracks, Star Trek

Die erste Folge der neuen Serie ‚Star Trek: Discovery’ startet sehr gut. Eine Crew mit einer interessanten Dynamik, einem schönen Auftrag und der gehörigen Prise Forscherdrang wird eingeführt. Die erste Viertelstunde der neuen Serie fühlt sich an wie ein modernes ‚Star Trek’ – genauso wie es sein sollte. Doch dann driftet die erste Folge der neuen Serie auf eine dramatische Weise ab und die schon wenigen vorher vorhandenen Trash-Momente und -Aspekte nehmen Überhand.

Die Gesamtheit der ersten beiden Folgen von ‚Star Trek: Discovery’, die zusammen veröffentlicht wurden und somit als Pilot gelten, sind ein klassischer Fehlstart. Zu viel ergibt keinen Sinn, fügt sich nicht in das ‚Star Trek’-Universum ein und schwankt zwischen einfach nur schlecht und vollkommen abramesk (gutes Aussehen, wobei man nie darüber nachdenken darf, was gerade passiert). Das Schauspiel überzeugt nur teilweise, die Dialoge sind verdammt platt, die Schurken – trotz intensiver Betrachtung – nur eine Ansammlung von Vorurteilen, die Musik ist mau (schade, dass nicht Chad Seiter den Score komponieren durfte) und die Spezialeffekte sind trotz der langen Vorbereitungszeit der Serie leider nur Mittelmaß (weniger ist mehr hätte dort gegolten).

So ergeben allen voran die Klingonen keinen Sinn. Würde nur die T’Kuvma-Sekte aussehen wie ein Echsenmenschen-Alptraum, wäre das ja okay – doch anscheinend sehen alle Klingon so aus wie wir sie noch nie gesehen haben (‚Star Trek: Enterprise’) und wie wir sie nie wieder sehen werden (‚Star Trek: The Motion Picture’ bis ‚Star Trek: Nemesis’). Die Ur-Klingonen der T’Kuvma-Sekte sind Personen in riesigen klobigen Anzügen, die angesichts eines Überfallkommandos aus zwei Sternenflotten-Offizieren am Ende der zweiten Folge nichts machen können – außer umzufallen. Auch die Ängste von T’Kuvma ergeben keinen Sinn. Wenn die Föderation noch nie Kontakt mit den Klingonen hatte (100 Jahre zuvor existierte diese noch nicht), dann erscheint es nicht plausibel, warum er Angst vor einer Assimilierung der Klingonen durch die Menschen und die anderen föderierten Völkern haben sollte. Würde die Augment-Seuche noch existieren, wäre das anders und sogar sichtbar – doch die wird weder erwähnt, noch scheint sie in diesem Universum zu existieren. Schlussendlich können die Klingonenschiffe sich tarnen – eine Fähigkeit, die sie erst später in ‚Star Trek: The Original Series’ erwerben.

Auch die Vulkanier fügen sich nicht passend in das bereits etablierte Universum ein. So hinterlässt das Übertragen der Katra einen Schatten, der die beiden beteiligten Personen dazu befähigt, jederzeit zu skypen. Eine praktische Fähigkeit, die McCoy und Spock vielleicht in ‚Star Trek: Zurück in die Gegenwart’ bis ‚Star Trek: Das unentdeckte Land’ vielleicht öfters mal hätten gebrauchen können. Darüber hinaus haben die Vulkanier Geheimnisse, die Großmächte im 23. Jahrhundert betreffen und welche die Vulkanier von den anderen föderierten Völkern geheim halten – warum auch immer. Seit wann Menschen den vulkanischen Nackengriff können, ist ebenso schleierhaft. Der Umstand, dass dieser auch nur eine Minute hält, lässt es logisch erscheinen, dass Menschen – selbst wenn sie ihn anwenden können – wohl selten dafür Bedarf sehen.

Und letztendlich ist die Föderation von ‚Star Trek Discovery’ eine ganz andere als sie es sein sollte. Die Schiffe sehen nicht einmal im Ansatz so aus als könnten sie 10 Jahre vor der Originalserie und damit parallel zu ‚The Cage’, der eigentlichen Pilotfolge der Originalserie, existieren. Die Uniformen kann man als sinnvolle Fortsetzung der NX-01-Ära sehen, aber das ist auch der einzige positive Aspekt an der Darstellung der Föderation. In der neuen Serie kommunizieren Sternenflottenoffiziere und Botschafter Sarek mit Hologramm-Technologie wie es die Föderation nie zuvor tat und auch später nie tun wird. Ebenso sind die Schutzschilde weiter fortgeschritten als in ‚Star Trek: Nemesis’. Alles in allem lässt sich zur Föderation sagen, dass sie sich überhaupt nicht in das bisherige ‚Star Trek’-Universum einfügt und es wirkt, als sei ‚Star Trek: Discovery’ ein weiterer Reboot – nach dem größtenteils missglückten Abramsverse („Kelvin-Timeline“).

Es stellt sich die Frage, warum die Serie im Prime-Universum zu dieser Zeit angesiedelt ist. Würde Sarek wegfallen, könnte die Serie genauso gut zwanzig, dreißig oder fünfzig Jahre nach ‚Star Trek: Enterprise’ spielen. Viele Sachen hätten so besser erklärt werden können. Die Zeit zwischen den einzelnen Serien hätte so besser überbrückt und die Änderungen in der Technologie und im Aussehen besser erläutert werden können. Doch dafür ist es nun zu spät.

Schlussendlich ist zu sagen, dass ‚Star Trek: Discovery’ einen klassischen Fehlstart hingelegt hat. Das schwache Skript, das eigenartige und nicht-passende Setting, die schlechte Musik und die mittelmäßigen Spezialeffekte lassen nur ein maues ‚Star Trek’-Gefühl aufkommen. Hoffentlich wird sich das im Laufe der Serie verbessern – aber die Grundlagen wurden schon einmal falsch gelegt.

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