‚Stargate: Origins‘: Etwas holpriger aber interessanter Neustart eines Franchises

Veröffentlicht: 22. Januar 2018 von mateschrank in Uncategorized
Das klassische Hollywood bis in die 1960er Jahre dominierten sechs große Filmstudios: Fox, Paramount, Columbia Pictures, Warner Bros., Universal und MGM. In den 1970er Jahren geriet das System in die Krise und neue – nationale und internationale – Akteure konnten immer mehr Marktanteile am US-Filmmarkt gewinnen. Nach den wirtschaftlichen Liberalisierungsmaßnahmen unter Präsident Reagan begann eine erneute Konzentrierung des Filmwesens und sechs Studios schälten sich als der neue Mainstream heraus. Als ein wesentlicher Aspekt auf dem Weg zum Erfolg stellte sich dabei das Bilden von Franchises, wie sie heute die Kinolandschaft prägen, heraus. Jeder kennt moderne Multimedia-Franchises wie Marvel (im Kino bei Disney, im Fernsehen bei ABC und im Internet bei Netflix und Hulu), die verschiedenen DC-Inkarnationen (im Kino bei Warner Bros., im Fernsehen bei FOX und The CW) und Transformers (im Kino bei Paramount und im Fernsehen derzeit bei Cartoon Network). Fünf der sechs klassischen großen Filmstudios dominieren die Kinolandschaft wieder, doch ein Platz ist quasi neu vergeben: Disney ist heute das größte Studio – dafür ist MGM nur noch eine verhältnismäßig kleine Firma und produziert ausschließlich Filme für andere Filmstudios oder vertreibt vereinzelt Filme anderer Studios auf dem internationalen Markt. Aus dem früheren „Major Studio“ ist ein „Mini-major Studio“ geworden, wie es sie mehrfach in Hollywood gibt (z.B. Lionsgate Films oder CBS Films).
Der Niedergang von MGM begann bereits in den 1950er Jahren und in den 1970er und 1980er Jahren gab es immer wieder Gerüchte und Abmachungen, dass MGM mit einem der anderen großen Filmstudios fusionieren würde. Doch daraus wurde nichts. Deswegen versuchte die Chefetage des traditionsreichen Studios weiterhin, eigene Franchises zu entwickeln, so wie es den anderen Filmstudios auch gelungen war. Doch die einzig erfolgreiche Filmreihe des Studios der Gegenwart ist die James-Bond-Reihe – und die Zeit von ‚James Bond Jr.‘ ist bereits seit über 25 Jahren vorbei. Die Filmreihe ist nicht mehr als eben das und kein vollständiges Multimedia-Franchise.
Doch MGM pflegt bis zum heutigen Tage noch ein weiteres Franchise: Stargate. Seit mittlerweile 24 Jahren erscheinen in diesem niemals zu einem Reboot gezwungenen Franchise (der Wechsel vom Film in die erste TV-Serie veränderte aber einige Details des Universums) immer wieder neue Filme und Serien. Basierend auf dem Action-Sci-Fi-Film mit Kurt Russell folgten sage und schreibe vier Fernsehserien (die Realserien ‚Stargate SG-1‘, ‚Stargate Atlantis‘ und ‚Stargate Universe‘ und die nicht-kanonische Animationsserie ‚Stargate Infinity‘, die in Deutschland nie ausgestrahlt wurde) und ein Computerspiel, wobei viel mehr schon einmal in Planung waren.
Ein Reboot planten Emmerich und Devlin in den Jahren 2014 bis 2016. Doch das moderne Franchise-Wesen bei den Blockbustern setzte den beiden Kreativen zu viele Schranken und diese Pläne wurden aufgegeben. Der ursprüngliche ‚Stargate‘-Film aus dem Jahr 1994 war noch ein Independent-Film, finanziert vom französischen StudioCanal, Emmerichs und Devlins eigener Firma Centropolis und dem legendären Actionfilmstudio Carolco Pictures. Doch der missglückte Sprung zurück ins Kino bedeutete nicht das Ende des Franchises, sondern auf diese Krise folgte ein interessanter Neustart. Jedoch ohne ein Reboot und in einem verhältnismäßig kleinen Rahmen.

Zunächst erwarb der US-Comicverleger American Mythology 2016 die Rechte, die Serie ‚Stargate Atlantis‘ als Comic fortzuführen. Später wurde die Abmachung ausgedehnt und umfasst nun auch ‚Stargate Universe‘, also die Serie, die mit einem Cliffhanger endete und nun als Comic beendet wird. Doch damit nicht genug: Im Sommer 2017 wurde bekannt, dass MGM Television einen All-Access-Zugang für die Homepage Stargate Command und die dazugehörige App einführt. Für 20 $ in den USA und 21,99 € in Deutschland bekommen Kunden Zugang zu allen Realserien des Stargate-Universum, den Original-Kinofilm aus dem Jahr 1994 und den zwei TV-Filmen ‚Stargate: The Ark of Truth‘ und ‚Stargate: Continuum‘ aus dem Jahr 2008. Doch damit nicht genug: Mit der Ankündigung ging auch ein offizieller Stargate-Podcast online und eine neue Miniserie wurde angekündigt: ‚Stargate: Origins‘.

Screenshots aus der App auf dem iPhone
In dieser Online-Serie übernehmen die Nachwuchsschauspielerin Ellie Gall als eine junge Catherine Langford und Connor Trinneer (Trekkies bekannt als Charles „Trip“ Tucker in ‚Star Trek: Enterprise‘) als ihr Vater die Hauptrollen. Professor Langford war im Kinofilm von 1994 der Charakter, der die Ausgrabung anführte, bei welcher das Sternentor gefunden wurde. Anscheinend geht es um eine Abenteuergeschichte, die in den 1930er Jahren spielt und ein Nazi mit dem Nachnamen Brücke ist der Oberschurke. Regisseurin ist Mercedes Bryce Morgan, die seit vier Jahren Kurzfilme macht und schon einige Awards gewonnen hat.

In der App gibt es auch Exklusivinterviews mit den Schauspielerinnern und Schauspielern aller Serien

Der Schauspieler Lincoln Hoppe wusste, dass er für die Rolle eines Deutschen vorspricht – aber nicht, in welchem Zeitrahmen es spielen wird.

Es wird 10 Folgen á 10 Minuten geben – am Stück wäre die gesamte Serie also ein eigenständiger Abenteuerfilm innerhalb des Stargate-Kanons. Die beiden Teaser und wenigen Behind-the-Scenes-Clips lassen auf ein ordentliches Budget schließen und machen richtig Spaß. Den Score übernimmt der bisher weitgehend unbekannte Aaron Fullan. Mal sehen, wie weit er die Musik an die Werke von David Arnold und Joel Goldsmith anlehnen wird. Arnold komponierte die Musik zum Kinofilm und Goldsmith prägte die TV-Scores aller bisherigen Realserien – letzterer verstarb bedauerlicherweise bereits im Jahr 2012. All-Access-Kunden bekommen diese Serie dann exklusiv zu sehen – sie wird nicht auf anderen Portalen oder Sendern ausgestrahlt. Ob es eine irgendwie geartete deutsche Auswertung geben wird, ist noch nicht bekannt.

In Zeiten, in denen diverse Franchise-Portale wie ein Disney– und ein DC-Online-Portal angekündigt werden, ist das ein interessantes Experiment. Das Stargate-Universum mit seinen 354 Fernsehfolgen und drei Filmen bietet sich für ein eigenes Portal geradezu an und MGM, welches kein großes Studio mehr ist, hat keinen originär eigenen Filmstudio- oder Senderrahmen, welcher sich als natürliche Wahl für ein weiteres Spin-Off anbieten würde (wie CBS All Access bei ‚Star Trek: Discovery‘).
Screenshot Forum

Die Probleme mit der App sind selbstverständlich auch in der Community bekannt

Doch die Revitalisierung des Franchises funktioniert nicht ganz ohne Probleme: Vom offiziellen Stargate-Podcast ist bisher nur eine Folge erschienen und seitdem gar nichts mehr. Bekanntmachungen gab es auch nicht. Auch die App Stargate Command hat seine Schwächen: Auf dem iPad kann man nicht innerhalb einer Folge vor- oder zurückspulen und sie stürzt auch ab und zu mal ab.

Mit Quizzes kann man sich in der App Punkte verdienen

Doch auch die kleinen Problemchen mindern die Vorfreude auf die neue Serie überhaupt nicht. Eine Adventure-Serie im Ägypten der 1930er Jahre klingt genau nach etwas, was begeistern kann. Außerdem ist es beeindruckend, dass MGM so etwas auf die Beine gestellt hat. Mal sehen, ob es eine einmalige Aktion bleibt oder der Testballon das Mini-Studio dazu bringt, noch mehr in das Franchise zu investieren.

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