Archiv für die Kategorie ‘David Arnold’

==Alles voller Spoiler==

‚SPECTRE‘ von dem eigentlich talentierten Regisseur Sam Mendes ist nun raus. Die Handlung des Films kann man gut als grauenhaft zusammenfassen. Die Motivationen der Charaktere bleibt größtenteils unklar. Das Beispiel dafür ist Madeleine Swann (Léa Seydoux):

Swann will nichts von ihrem Vater wissen – Swann will wissen, was mit ihrem Vater geschehen ist; Swann will nichts von Bond – Swann liebt ihn; Swann kommt mit nach London – Swann will mit dem Agentenkram nichts mehr zu tun haben.

Die Geschlechterrollen sind einfach nur schlimm, der Film erfüllt nicht den Bechdel-Test. Der absolute Tiefpunkt der Damen ist Monica Beluccis Charakter: Sie hatte nichts unter dem Beerdigungskleid an, schläft vollkommen ohne Motivation mit dem Mörder ihres kürzlich verstorbenen Ehemannes [obwohl sie meinte, in fünf Minuten kommen ihre nächsten Killer] und hat danach [!] auf dem Bett liegend ein Korsett an [Was haben sie genau gemacht?]).

Die Spezialeffekte sind teilweise katastrophal (vor allem im Opening Shot: Craig-Kopf auf Stuntman, der vor einem Green-Screen langläuft und das obwohl das Szenario nicht einmal besonders gefährlich war), die Beleuchtung/Farbpalette kam mir vor wie aus ‚Star Wars: Episode 2‘ und der Score prägt vor allem eine Lustlosigkeit (hauptsächlich Wiederholungen von Thomas Newmanns ‚Skyfall‘). Manche Sachen ergeben einfach überhaupt keinen Sinn: Hat Mr. White (Jesper Christensen) bei jedem Besuch im L’Americain die Wand zertreten und dann wieder zugemauert? Wieso hat die kleine Madeleine das nicht mitbekommen? Wo landete das Flugzeug, mit welchem Bond um die Klinik auf dem Berg gekreist ist? Was war die Motivation von S.P.E.C.T.R.E. Swann zu jagen? Kann die marokkanische Eisenbahn nur Rechtskurven bauen? Was für eine Relevanz hatte es, dass Blofeld Bond von früher kannte? Hat keiner von den marokkanischen Schurken den Umgang [vor allem das Zielen] mit Pistolen und Gewehren gelernt? Was sollte die Schnitzeljagd im alten Geheimdienstgebäude? Wie viele Tage Vorbereitung hat S.P.E.C.T.R.E. dafür gebraucht? Müssen Hubschrauber entlang von Wasserwegen fliegen?

Christoph Waltz als lang erwarteter Bond-Bösewicht kann leider überhaupt nicht glänzen. Moneypenny (Naomie Harris) und Tanner der Assistent von M (Rory Kinnear) sind in dem Film quasi überflüssig.

Zum Positiven: Cinematographisch ist es meist gut, Q (der talentierte Ben Whishaw) macht Spaß (der Humor war allgemein gut) und die Autoverfolgungsjagd mit Bond (Daniel Craig) und Mister Hinx (Dave Bautista) ist klasse.

Aber trotzdem: Der Film hat nächträglich eine Schneise der Verwüstung in die Craig-Reihe geschlagen (Was hatte Silvas Rache beispielsweise mit S.P.E.C.T.R.E. zu tun?) und wird mein „Kristallschädel-Indy“ – also der Teil, den ich einfach nur leugnen werde.

Ich sage das nicht oft, aber ein Reboot muss her:

Am besten Idris Elba (bekannt aus ‚Luther‘), Matthew Goode (Adrian Veidt/Ozymandias in ‚Watchmen: Die Wächter‘ und Hugh Alexander in ‚The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben‘), Damian Lewis (‚Life‘, ‚Band of Brothers – Wir waren wie Brüder‘ und ‚Homeland‘) oder Emily Blunt (‚Sicario‘, ‚Edge of Tomorrow‘ und ‚Looper‘) in den 1970er Jahren, dann kommt auch keiner auf die bescheuerte Idee, Bilder und Animationen in Code zu malen. David Arnold, der Komponist der grandiosen Scores von ‚Casino Royale‘ und ‚Quantum of Solace‘ sollte zurückkehren. Das wäre dann ein interessanter Neuanfang.

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2009 entzückte Guy Ritchie mit ‚Sherlock Holmes‘ das Kinopublikum (die Fortsetzung aus dem Jahr 2011 entzückte schon weniger) und seit 2010 brilliert Benedict Cumberbatch als Sherlock Holmes in der BBC-Serie ‚Sherlock‘ neben Martin Freeman. Der Erfolg beider Serien brachte wohl CBS auf die Idee, auch einen Ableger zu starten. Die US-Serie ‚Elementary‘ hat nichts mit der BBC-Variante zu tun (siehe ‚ Jonny Lee Miller to play Sherlock Holmes in US series‘ und ‚Legal thriller looms as Sherlock takes his caseload to New York‘), sondern stellt einen eigenständigen Versuch dar, Sir Arthur Conan Doyles berühmteste Figur in die Gegenwart zu versetzen – dieses Mal jedoch nicht in London sondern in New York. Hinter dem Projekt steht Rob Doherty, der unter anderem an den letzten Staffeln ‚Star Trek: Voyager‘ mitschrieb.

In den bisher 11 Folgen schlägt sich die Serie wirklich gut. Die Hauptcharaktere, Sherlock Holmes (gespielt von Jonny Lee Miller, den man vielleicht schon mal in ‚Æon Flux‘, ‚Trainspotting‘ oder ‚Dexter‘ gesehen hat) und seine „Junkie-Sitterin“ Joan Watson (dargestellt durch die wunderbare Lucy Liu), haben eine richtige Charakterentwicklung und ihr Hintergrund wird näher betrachtet. Das Setting ist auch anders als bei der BBC-Version, da Miss Watson in dieser Version den ehemals Drogensüchtigen Holmes begleitet, clean zu bleiben. Die Fälle sind spannend und Sherlock in New York zuzusehen macht Spaß. Die Vorschau auf die zwölfte Folge mit Vinnie Jones (‚ Nur noch 60 Sekunden‘, ‚ Snatch – Schweine und Diamanten‘ und ‚Bube Dame König grAs‘) als „M.“ (Moriarty) macht auch Lust auf mehr. Nach der klassischen Variante bei Guy Ritchie und der anarchistischen Version bei Stephen Moffat von BBC sieht Jones nach einer ganz anderen Interpretation von Sherlock Holmes‘ Gegenspieler aus.

Während der Score zur BBC-Serie gut ist, hat Hans Zimmer mit seiner Musik (Teil 1 als CD oder MP3 und Teil 2 als CD oder MP3) zu den Guy Ritchie-Filmen ein wahres Meisterwerk geschaffen. Einen Score zu ‚Elementary‘ gibt es noch nicht, aber Fan-Nachahmungen bei Youtube (‚Sherlock`s Theme‘ und ‚Sherlock On The Roof‘), die auch schon gut anzuhören sind. In der Serie kommt die Musik auch gut rüber – man hofft auf die Veröffentlichung eines Scores nach der ersten Staffel.

Ab dem 10. Januar donnerstags um 21.15 Uhr zeigt Sat.1 die Serie auf Deutsch. Wer sich die Stimme von Joseph Gordon-Levitt als John Blake in ‚The Dark Knight Rises‘ als Sherlock Holmes und die von Kristin Kreuk als Lana Lang in ‚Smallville‘ als Joan Watson antun will, der kann die Serie da kucken – für Puristen ist die englischsprachige Version zu empfehlen.

Hier geht es zum Twitter-Account von CBS zur Serie


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Skyfall-Soundtrack veröffentlicht

Veröffentlicht: 2. November 2012 von mateschrank in David Arnold, Filme, James Bond, Soundtracks, Thomas Newman

Zum neuen James Bond-Abenteuer ‚Skyfall‘ hat Sony Classical natürlich wieder einen Soundtrack veröffentlicht. Im Gegensatz zu ‚Casino Royale‘ und ‚Ein Quantum Trost‘ komponierte nicht mehr David Arnold den Score, sondern Thomas Newman, der unter anderem schon die Soundtracks zu ‚American Beauty‘, ‚The Green Mile‘ und ‚The Iron Lady‘ schuf. Nach den beiden grandiosen Soundtracks von Arnold ist Newmans Score eine herbe Enttäuschung. Man kann getrost sagen, dass er versagt hat. Da hätte Regisseur Sam Mendes lieber auf Altbewährtes in Sachen Bond setzten sollen. Schade! Hoffen wir, dass bei den nächsten beiden Bond-Filmen Arnold zurückkehrt oder Newman deutlich zulegt (so wie Michael Giacchino beim Sprung von M:I-3 zu M:I-4).

Hier könnt ihr den Score zu ‚Casino Royale‘ kaufen (auch als mp3) und den zu ‚Ein Quantum Trost‘ (ebenso als mp3).

Wer sich trotzdem den ‚Skyfall‘-Score kaufen will, ist hier richtig (hier die mp3s).