Archiv für die Kategorie ‘John Williams’

Nach dem kreativen Desaster von J.J. Abrams aktuellem Machwerk ‚Star Wars: The Force Awakens‘ bin ich verstärkt dem Indy-Fieber verfallen. Das kam nicht von ungefähr: In Episode 7 wurde ein Weltraum-Abenteuer angedeutet, welches dann jedoch leider nicht stattfand. Insofern schien es konsequent, sich dem größten Abenteuerhelden der vergangenen 35 Jahren zuzuwenden: Prof. Henry „Indiana“ Jones Junior. Erst habe ich nochmal alle drei Kinofilme gesehen und dabei natürlich die Scores von John Williams genossen. Doch dann endete leider das visuelle Erlebnis.

Dann habe ich mit ‚High Road to China‘ (alternativ beworben unter dem Titel ‚Raiders of the End of the World‘ und zu Deutsch: ‚Höllenjagd bis ans Ende der Welt‘) den Tom-Selleck-Versuch eines Indy-Pendants gesehen. Dieser Film hat tolle Landschaftsaufnahmen mit den schön anzusehenden Flugzeugen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges im Fokus. Die Story des Films wiederum ist grauenhaft und die Geschlechterrollen sind mit unterirdisch noch nett beschrieben.

Mit ‚Indiana Jones und der Stab der Könige‘ gibt es übrigens ein hübsches Indy-Spiel für die Wii und die PlayStation 2 aus dem Jahr 2009. Das Spiel hat sogar einen Koop-Modus, in dem man zu zweit Vater und Sohn Jones spielen kann und gemeinsam Abenteuer haben und Rätsel lösen kann. Dessen Vorgänger ‚Indiana Jones und die Legende der Kaisergruft‘ aus dem Jahr 2003 wiederum ist mehr ein Schieß- und Prügelspiel ohne größere Rätsel. Bei diesem kommt nur wenig Indy-Feeling auf. Außerdem sind die Darstellungen von chinesischen Frauen und Männern klar vorurteilsbelastet, wenn nicht sogar offen rassistisch.

Bild eines Chinesen aus Indy und die Legende der Kaisergruft

Wenn das nicht rassistisch ist, weiß ich auch nicht…

Die beiden Spiele sind unterschiedlich gut und machen mehr oder weniger Spaß, aber eines haben sie gemeinsam: Wirklich schöne Scores von Clint Bajakian (‚Indiana Jones und die Legende der Kaisergruft‘) sowie von Gordy Haab und Ray Harman (‚Indiana Jones und der Stab der Könige‘). Ersterer hat bereits in den 1990er Jahren eng mit LucasArts zusammengearbeitet und bereits für ‚Monkey Island 2: Le Chuck’s Revenge‘ die Musik geschrieben, in letzter Zeit kennt man ihn eher von der Musik für Spiele wie die der ‚Uncharted‘-Reihe. Haab und Harman wiederum sind seit 2009 zu den Hauskomponisten bei LucasArts aufgestiegen und haben die Musik zu ‚Star Wars: Knights of the Old Republic‘ und den grafisch super aussehenden Shooter ‚Star Wars Battlefront‘ komponiert. Man hört den beiden Scores an, dass sie nicht von einem Orchester vertont wurden („Keyboard-Indy“), aber sie lassen Indy-Feeling aufkommen und machen Spaß. Links zu den Game Soundtracks findet ihr unter diesem Blogeintrag.

Doch zurück zu Indy: Um Filmen eine tiefere Ebene geben zu können, lohnt es sich meist, wissenschaftliche Aufsätze zu lesen. So gibt es auch einen interessanten Aufsatz zu Indiana Jones:

Katherine Biber: The Emperor’s new Clones: Indiana Jones and Masculinity in Reagan’s America, in: Australasian Journal of American Studies, Jg. 14 (1995), Nr. 2, S. 67–86. Hier abrufbar.

Biber beschreibt darin, wie sehr Prof. Henry Jones Junior ein Archetyp eines (männlichen) Helden ist und welche Parallelen sich zu James Bond, Superman und Han Solo ergeben. Mit einem Zitat aus dem Anfang des Aufsatzes kommen wir auch ganz schnell wieder zurück zu J.J. Abrams:

IMG_0909

Biber: Indiana Jones and Masculinity in Reagan’s America, S. 69.

In diesem Sinne ist Abrams der ideale Schüler von Steven Spielberg und hat mit ‚Star Wars: The Force Awakens‘ ein weiteres Mal bewiesen, wie sehr er die „Regression zum Infantilismus“ in seinen Filmen praktisch auslebt.

Indiana Jones and the Emperor’s Tomb‘ als Soundtrack auf YouTube (zusammenhängend).

Bei ‚Indiana Jones und der Stab der Könige‘ wiederum ist es nicht so einfach. Hier die nach diesem Link rekonstruierten Tracks auf YouTube:

  1. Gordy Haab: Cable Car Chase
  2. Gordy Haab: Chinatown Alley Fight
  3. Ray Harman: Chinatown SF
  4. Gordy Haab: Combat Mix
  5. Gordy Haab: Elephant Chase
  6. Gordy Haab: Fight in Panama
  7. Gordy Haab: Fight in the Desert
  8. Ray Harman: German Puzzle
  9. Ray Harman: Istanbul Museum
  10. Gordy Haab: Jungle Encounter
  11. Gordy Haab: Magnus Theme
  12. Gordy Haab: Nazi Battle
  13. Gordy Haab: Run for Your Life
  14. Gordy Haab: Sea Bed Chase
  15. Ray Harman: Sudan Desert
  16. Ray Harman: Turkish Suspense

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Die Prequels gehen weiter

Veröffentlicht: 22. Dezember 2015 von mateschrank in Abrams, Filme, John Williams, Lucas, Lucasfilm, Star Trek, Star Wars

== Review inklusive Spoiler für ‚Star Wars: The Force Awakens‘ ==

Nach einem großen Hype ist nun endlich ‚Star Wars Episode 7: The Force Awakens‘ erschienen. Der Film beginnt stark mit der Einführung der drei neuen Hauptcharaktere Poe, Finn und Rae (auch wenn Poe schnell wieder verschwindet), doch ab circa einer Stunde fällt wieder alles auseinander. In typischer Abrams-Manier wird dann in der zweiten Hälfte des Films alles Mögliche sinnlos recyclet und mehr auf Effekte als auf Handlung und Charakterentwicklung gesetzt.

Die Handlung wirft mehr Fragen auf als bestimmt jeder Abrams-Film zuvor:

Wie soll das gehen von Lichtgeschwindigkeit auf einen Planeten zu hüpfen? Wieso verhängt der Erste Orden keine Blockade über Jakku (dazu hat man Sternenzerstörer), wenn sie auf dem Planeten einen Droiden suchen? Wieso gibt es noch die Rebellion, wenn die neue Republik auch schon wieder existiert (die Rebellion hat ja für die Wiederherstellung der Republik gekämpft)? Wie konnte der Erste Orden Poe nicht auf dem Planeten finden? Wie stark ist der Erste Orden (hat er nur einen Planeten?)? Ist er mit der Vernichtung des Hauptplaneten nun ebenso vernichtet? Wie stark war die Neue Republik? Ist sie nun vollständig untergegangen? Wie kann BB-8s Karte einen „unbekannten Teil der Galaxis“ abbilden (wie es am Anfang des Films gesagt wird), wenn sie am Ende des Films so eindeutig in R2-D2s Karte hineinpasst? Kennt der Widerstand dieses Viertel der Galaxis einfach nicht? Wieso nicht?

Und noch viele Fragen mehr…

Der Film ist nach Oscarpreisträger Michael Arndts Rausschmiss deutlich umgeschrieben worden und das Skript ist geprägt durch offensichtlich schlechtes Schreiben (die Hälfte der längeren Unterhaltungen werden wieder durch Explosionen und andere „Zufälle“ unterbrochen (wie bei ‚Star Trek 12‘), die Herkunft von Lukes Lichtschwert wird nicht erklärt, Rae wird zur zweitmächtigsten Jedi, indem sie gefoltert wird und weil sie es will sowie noch vieles mehr).

Dieser Film hat gar keine Brücke zur Original-Trilogie geschlagen, da er anscheinend in einem komplett anderen Teil des Universums spielt und kaum Fragen beantwortet, sondern nur neue aufwirft. Auch in dieser Frage ist das Machwerk eine herbe Enttäuschung. Solche Aussagen eines Drehbuchautors haben ja schon vorher jeden ‚Star Wars‘-Fan erschüttern lassen, wer da ans Skript gelassen wurde:

„And with the canon — everyone refers to the canon, but it has zero meaning to me. I don’t know what the canon is. I cannot get that straight.“

Aus: Josh Rottenberg: Star Wars screenwriter Lawrence Kasdan on the past, present and future of ‚Star Wars‘, latimes.com 03.12.2015.

Das Duo Abrams und Kasdan haben dafür extra den talentierteren Drehbuchautor gefeuert, damit Abrams sein belangloses Effektfeuerwerk abziehen kann:

„Episode VII hat sich entscheidend verändert, seit Oscarpreisträger Michael Arndt das Projekt verlassen hat. Mehreren Quellen zufolge war der Grund für diese Trennung nicht der Zeitfaktor, wie zeitweise vermeldet wurde, sondern Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Hauptfiguren.

In Arndts Version standen die Nachfahren von Luke, Han und Leia im Mittelpunkt, während die alten Helden nur in Nebenrollen auftauchen sollten. Abrams wollte hingegen, dass die alten Helden zumindest in Episode VII erneut im Mittelpunkt stehen, damit sich die Zuschauer von ihnen verabschieden können. Die neuen Figuren werden hingegen nur Nebenrollen übernehmen und erst in Episode VIII und IX im Mittelpunkt stehen. Aus diesem Grund wurden einige Figuren aus Arndts Drehbuch gestrichen, einige neue wurden hinzugefügt.“

Aus: Aaron: Gerüchtemix: Die Großen Drei im Mittelpunkt, starwars-union.de 12.01.2014.

Die Musik von John Williams kann leider auch nicht überzeugen und wirkt zur Hälfte abgekupfert und zur anderen Hälfte ideenlos. Auch hier stellen sich wieder Fragen, wie z.B. Wenn der Erste Orden so offensichtlich die Fortsetzung des Imperiums ist, wieso ist die Musik dann eine komplett andere?

Abrams Regiestil (schnelle Schnitte, fahrende Kameras an Menschen entlang und um Menschen herum, Wackelkamera etc.) ist eindeutig wiederzuerkennen und er erinnert stark an die Abramstrek-Filme, was auf einer zusätzlichen Ebene verwirrend ist.

Am Anfang beginnt der Film wie ein Space-Adventure, was richtig Spaß hätte machen können. Vielleicht ging ja Arndts Drehbuch in diese Richtung. Die rote Linie auf der Galaxiskarte der beiden Droiden deutet so etwas an und lässt etwas viel Kreativeres erahnen. Leider biegt die Handlung dann in Maz Kanatas Festung ab und der Film wird immer schneller und substanzloser.

Insgesamt bleibt zu sagen: ‚The Force Awakens‘ hat zu wenig Handlung, zu viele Re-Hashes, zu viele Plot-Löcher („so groß wie Arizona“, wie Fefe schrieb), zu viele Zufälle, zu wenig Charakterentwicklung, zu viele Charaktere, zu viel sinnloser offensichtlicher Fan-Service (wie z.B. der „zufällig“ angeschaltete Dejarik-Tisch), ein zu schlechter Score und noch vieles mehr. Das, was Abrams hier abgeliefert hat ist eine Fortsetzung der Prequels ohne großes Gefühl für die Stärken der Original-Trilogie.

J.J. Abrams hat als Drehbuchautor und Regisseur – von ‚Filofax – Ich bin du und du bist nichts‘ (Originaltitel: ‚Taking Care of Business‘ – eine Komödie mit Jim Belushi auf der Höhe seiner Zeit, die nicht lustig ist) an – fast alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Sein Exkurs ins ‚Star Trek‘-Universum endete im kreativen Desaster und CBS scheint sich davon nun auch leicht distanzieren zu wollen. ‚Star Wars: The Force Awakens‘ ist ein weiterer Beweis dafür, dass Abrams zwar beeindruckende Bilder erzeugen aber keine guten Geschichten erzählen kann. Es ist einfach nur enttäuschend. Jetzt müssen ‚Rogue One‘ und ‚Episode 8‘ alles wieder ausbügeln. Soweit das überhaupt möglich ist…

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Seit neuestem läuft die neue ‚Star Wars‘-Serie ‚Star Wars: Rebels‘. Was erst wirkte, als wolle Disney ‚Star Wars: Clone Wars‘ einfach auf seinen eigenen Kanälen (ABC, DisneyXD und Disney Channel) fortführen, entpuppte sich als etwas ganz anderes. Sowohl hinter den Kulissen als auch in der Substanz ist die Serie etwas eigenes. Hinter den Kulissen bei ‚Star Wars: Clone Wars‘ hatte George Lucas das Sagen. In der Story-Group entschieden Lucas und sein Lucasfilm-Animated-Ziehsohn Dave Filoni alles. Die Beziehung von beiden war sogar so harmonisch, dass Filoni manchmal die Sätze beendete, die Lucas begonnen hatte. ‚Clone Wars‘ war das persönliche Lieblingsprojekt von Lucas und wenn es sein musste, schoss er Geld dazu, damit aus den Folgen auch etwas wurde. Doch Lucas hatte auch eine Einschränkung gemacht, die nahezu dauerhaft galt: Die Musik von Kevin Kiner durfte nicht die Melodien von Williams wiederbenutzen. ‚Clone Wars‘ sollte etwas eigenes sein.

Doch nun ist alles anders. ‚Rebels‘ hat nur das Budget einer normalen Disney-Serie und wirkt wesentlich schlechter animiert als ‚Clone Wars‘. George Lucas spielt keine Rolle mehr und Filoni ist eingebunden in die größere Story-Group unter Pablo Hidalgo, der als lebendes ‚Star Wars‘-Lexikon gilt. Kiner darf unter der neuen Regie auch alle Themen von Williams nutzen und das bringt schon wesentlich mehr ‚Star Wars‘-Feeling mit rein.

Die Serie ist durchaus kindergerecht. Vietnamkriegs-Folgen wie der Umbara-Story-Arc oder das reihenweise Köpfeabschlagen von Darth Maul in der fünften Staffel von ‚Clone Wars‘ scheinen nicht mehr möglich zu sein. Doch Story-Elemente wie explodierendes Graffiti-Spray, gegen Rebellen hilflose Sternenzerstörer, stets wackelnde Charaktere (es soll wohl Mimik und Gestik sein, wirkt aber vollkommen übertrieben) und Sturmtruppler, die kein einziges Ziel treffen lassen, lassen die Serie ziemlich „kiddyfied“ erscheinen.

Doch wenn man all diese Makel akzeptiert, dann macht die Serie durchaus etwas Spaß. Im Gegensatz zu ‚Clone Wars‘ gibt es eine die Staffeln überspannende Geschichte. Die Charaktere können sich entwickeln und das merkt man schon nach 60 Minuten Laufzeit. Was oft an der Prequel-Trilogie kritisiert wurde, wurde auch schon in ‚Rebels‘ geradegebügelt: Das Schicksal der einfachen Menschen. Während die ‚Star Wars‘-Episoden eins bis drei nur Politiker zeigten, erfahren wir in ‚Rebels‘, wie es den normalen Bürgern des Imperiums ergeht. Egal ob genozidale Massaker an den Lasat, die getöteten Eltern von Ezra und Sabine oder die ausgestoßenen Bewohner von Tarkin-Town – den Zuschauern wird bewusst, was es heißt, unter dem Imperium zu leben.

Der Fokus des ‚Star Wars‘-Universums verschiebt sich somit von der Prequel-Trilogie wieder hin zur klassischen. Das macht Lust auf die neue Trilogie, die mit den alten Recken beginnt und die neuen Helden einführt.