Archiv für die Kategorie ‘Kevin Kiner’

Als im Jahr 2015 J.J. Abrams erste ‚Star Wars‘-Episode ‚Das Erwachen der Macht‘ erschien, wurde vielen Fans klar, dass der Film unter vielen Aspekten litt. So handelte es sich im Wesentlichen um ein Remake von ‚Star Wars – Episode 4: Eine neue Hoffnung‘ aus dem Jahr 1977 (den Abrams im Prinzip auch schon mal in ‚Star Trek 11‘ verwurstet hatte). Narrativ gab es vor allem zu kritisieren, dass es so gut wie kein „World Building“ im Film gab. Da Lucasfilm nach der Übernahme durch Disney im Jahre 2012 bekanntgegeben hatte, dass das „Expanded Universe“ komplett getilgt wird, wussten viele Fans nicht, wie sich das Universum nach ‚Episode 6‘ weiterentwickelt hatte. Lediglich in einigen – laut Lesern – nicht besonders guten Büchern wurde versucht, die Lücke zwischen der sechsten und siebenten Episode grob zu schließen. Weitgehend blieb die Zeit aber unbekannt.

Sandcrawler-Singapur

Der Sitz von Lucasfilm Animation in Singapur heißt passenderweise ‚The Sandcrawler‘ (Quelle: Aedas, CC-by-sa-2.0)

Mit ‚Star Wars: Resistance‘ versucht Lucasfilm Animationkoproduziert vom japanischen Studio Polygon Pictures – nun, diese Lücke ein wenig zu schließen. Auf den ersten Blick mag der Animationsstil – der sich deutlich sowohl von ‚Star Wars: The Clone Wars‘ als auch von ‚Star Wars: Rebels‘ unterscheidet – eigenartig wirken. Aber ein Reinschauen lohnt sich allemal!

Die Story folgt dem jungen, enthusiastischen Piloten Kazuda Xiono, der vom Widerstand auf die Plattform Colossus auf dem Ozeanplaneten Castillon entsandt wird. Undercover als talentbefreiter Mechaniker arbeitend, lernt Kazuda seine Ko-Mechaniker sowie die Piloten der „Ace Pilots“ kennen und lernt immer mehr über den Widerstand einerseits und das schwierige Verhältnis eines sich selbst verwaltenden Außenpostens in der interstellaren Peripherie andererseits. Als einziger Dauergast aus den neuen Filmen spielt BB-8 eine Nebenrolle und außerdem haben Oscar Isaac als  Poe Dameron sowie Gwendoline Christie als Captain Phasma wiederkehrende Sprecherrollen. Auch Elijah Wood hat eine Gastrolle.

Der Zeichenstil ist speziell und vor allem die Raumschiffanimationen nicht die besten, die Farbpalette poppig-bunt, die Story macht aber Spaß, man lernt viel über das neue Universum, die Charaktere machen Spaß und der Score (dieses Mal von Michael Tavera und nicht mehr von Kevin Kiner wie bei den vergangenen beiden Animationsserien) ist auch schön. Alles in allem ergibt sich nach einem halben Dutzend Folgen ein schöner Eindruck, der die Zeit bis zu ‚Star Wars: The Mandalorian‘ und der Cassian-Andor-Serie überbrückt. Deswegen gibt’s vom Mateschrank eine Kuckempfehlung!

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Seit neuestem läuft die neue ‚Star Wars‘-Serie ‚Star Wars: Rebels‘. Was erst wirkte, als wolle Disney ‚Star Wars: Clone Wars‘ einfach auf seinen eigenen Kanälen (ABC, DisneyXD und Disney Channel) fortführen, entpuppte sich als etwas ganz anderes. Sowohl hinter den Kulissen als auch in der Substanz ist die Serie etwas eigenes. Hinter den Kulissen bei ‚Star Wars: Clone Wars‘ hatte George Lucas das Sagen. In der Story-Group entschieden Lucas und sein Lucasfilm-Animated-Ziehsohn Dave Filoni alles. Die Beziehung von beiden war sogar so harmonisch, dass Filoni manchmal die Sätze beendete, die Lucas begonnen hatte. ‚Clone Wars‘ war das persönliche Lieblingsprojekt von Lucas und wenn es sein musste, schoss er Geld dazu, damit aus den Folgen auch etwas wurde. Doch Lucas hatte auch eine Einschränkung gemacht, die nahezu dauerhaft galt: Die Musik von Kevin Kiner durfte nicht die Melodien von Williams wiederbenutzen. ‚Clone Wars‘ sollte etwas eigenes sein.

Doch nun ist alles anders. ‚Rebels‘ hat nur das Budget einer normalen Disney-Serie und wirkt wesentlich schlechter animiert als ‚Clone Wars‘. George Lucas spielt keine Rolle mehr und Filoni ist eingebunden in die größere Story-Group unter Pablo Hidalgo, der als lebendes ‚Star Wars‘-Lexikon gilt. Kiner darf unter der neuen Regie auch alle Themen von Williams nutzen und das bringt schon wesentlich mehr ‚Star Wars‘-Feeling mit rein.

Die Serie ist durchaus kindergerecht. Vietnamkriegs-Folgen wie der Umbara-Story-Arc oder das reihenweise Köpfeabschlagen von Darth Maul in der fünften Staffel von ‚Clone Wars‘ scheinen nicht mehr möglich zu sein. Doch Story-Elemente wie explodierendes Graffiti-Spray, gegen Rebellen hilflose Sternenzerstörer, stets wackelnde Charaktere (es soll wohl Mimik und Gestik sein, wirkt aber vollkommen übertrieben) und Sturmtruppler, die kein einziges Ziel treffen lassen, lassen die Serie ziemlich „kiddyfied“ erscheinen.

Doch wenn man all diese Makel akzeptiert, dann macht die Serie durchaus etwas Spaß. Im Gegensatz zu ‚Clone Wars‘ gibt es eine die Staffeln überspannende Geschichte. Die Charaktere können sich entwickeln und das merkt man schon nach 60 Minuten Laufzeit. Was oft an der Prequel-Trilogie kritisiert wurde, wurde auch schon in ‚Rebels‘ geradegebügelt: Das Schicksal der einfachen Menschen. Während die ‚Star Wars‘-Episoden eins bis drei nur Politiker zeigten, erfahren wir in ‚Rebels‘, wie es den normalen Bürgern des Imperiums ergeht. Egal ob genozidale Massaker an den Lasat, die getöteten Eltern von Ezra und Sabine oder die ausgestoßenen Bewohner von Tarkin-Town – den Zuschauern wird bewusst, was es heißt, unter dem Imperium zu leben.

Der Fokus des ‚Star Wars‘-Universums verschiebt sich somit von der Prequel-Trilogie wieder hin zur klassischen. Das macht Lust auf die neue Trilogie, die mit den alten Recken beginnt und die neuen Helden einführt.