Wie einige Freunde des Mateschranks wissen, bin ich ein großer Fan der Serie ‚Longmire‘. Meiner Meinung nach ist ‚Longmire‘ die cinematographisch beste Fernsehserie überhaupt, hat eine tolle, packende Geschichte, klasse Musik und überzeugende Charaktere. Beim Budget und manchmal auch beim Schauspiel hadert es hin und wieder, aber darüber kann ich hinwegsehen. Auf dem US-Sender A&E galt die Serie lange Zeit als eine der erfolgreichsten Formate überhaupt, bis sie abgesetzt wurde – die durchschnittliche Zuschauerschaft war zu alt und jenseits der marktrelevanten Zielgruppe von 14 bis 49 Jahren. Doch Netflix nahm die Serie auf und bescherte uns eine vierte Staffel, eine fünfte folgt in diesem Jahr.

Da der Neowestern keinen Massenanhang (wie beispielsweise ‚Game of Thrones‘) hat – weder in Nordamerika noch in Westeuropa – ist die Zahl der Fanblogs, Podcasts, Twitter-Accounts und anderen Informationsquellen äußerst rar. Es gibt einen Podcast mit einer verdammt schlechten Audioqualität und und einen Twitter-Account, beide firmieren unter dem Namen ‚Longmire Posse‘. Ich folgte beiden Formaten mangels Alternativen.

Doch der Twitter-Account hat die Angewohnheit, nicht normal auf andere Tweets zu reagieren, sondern alle Mentions für alle sichtbar zu tweeten. Das führt dazu, dass die eigene Timeline die ganze Zeit mit Tweets vollgeschwemmt wird, die man nicht sehen will und die einen auch nicht interessieren. Mehrmals nutzte ich die Funktion ‚Mute‘ bei meiner App Tweetbot, um den Account auszublenden, doch regelmäßig kehrte ich immer wieder zurück (es gibt ja nichts anderes).

Als es vor ein paar Tagen wieder zu viel wurde, sandte ich einen Tweet ab, um die eigenartige Mention-Politik des Longmire-Posse-Accounts zu kritisieren und entfolgte dem Account.

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Doch das brachte nur den Stein ins Rollen… Es war einfach nur als Kritik gedacht, die ich auf Nachfrage auch gerne konkretisierte. Doch ich ahnte ja nicht, was nun kommen würde. Anstatt einfach die Kritik anzunehmen, spamte die Dame hinter dem Posse-Account alle ihrer Follower zu und eine Horde weißer, nordamerikanischer Mit-50er-Frauen fiel auf Twitter über mich her. Zuerst begann es harmlos:

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Selbstverständlich war ich so konstruktiv und konkretisierte meine Kritik. Vieleicht würde sich die Account-Politik ja ändern und viele mögliche Follower von Spam verschont bleiben:

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Sowie noch detaillierter…

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Und zuletzt noch als finale 140 Zeichen (gedacht):

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Und nun ging es los… Der erste Tweet fand meinen Beitrag nur „komisch“:

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Der nächste Tweet meinte, dass ich Journalismus mit Cheerleading durcheinandender bringen würde:

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Eine interessante Analyse angesichts der vier Mal 140 Zeichen, die ich geschrieben habe.

Eine ältere Dame fragte nach, was ich denn kritisieren würde:

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Und die nächste Frau mittleren Alters warf mir vor, dass mein urprünglicher Tweet keinen Sinn ergeben würde:

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Doch langsam eskalierte die Situation. Die nächste Dame meinte, dass mein verhalten lächerlich und arrogant sei:

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Danach stellte eine Dame mittleren Alters meine Existenz in Frage, indem sie „David“ schrieb. Außerdem sei ich ein Troll (nachdem ich vier Tweets mit konkreter Kritik verfasst hatte!) und solle gefälligst einen Social-Media-Kurs belegen.

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Die nächste Dame wünschte sich mich einfach weg.

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Die Frage ist nur, wovon. Sollte ich komplett aus Twitter austreten?

Dann antwortete der ursprüngliche Longmire-Posse-Account wieder (dieser war ja auch als einziger Account überhaupt adressiert worden) und meinte, dass meine Kritik „nicht aufschlussreich“ sei.

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Neben ein paar anderen Tweets implizierte die Dame, die schon meine Existenz in Frage gestellt hatte, dass ich doch gefälligst in Ehrfurcht vor dem Longmire-Posse-Account niederknien solle.

Dann meldete sich erneut Elise, die älteste Frau, mit der ich je auf Twitter interagiert habe, wieder zu Wort und meinte, ich sei nicht der Richter, sondern Twitter.

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Mir war nicht klar, dass ich so etwas behauptet hätte.

Der nächste Account von Ellen McClinton stimmte Elise zu und warf mir vor, dass ich die Gruppe von Damen einen Haufen des Nicht-Schreiben-fähiger Philister zu sein.

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Wie sie darauf kam, ist mir vollkommen schleierhaft. Selbstverständlich ist dieser Kommentar lächerlich (ihrer, nicht meiner).

Die äußerst kreative Auslegung meiner vier Tweets ging jedoch noch weiter und man warf mir vor, dass ich mich überlegen fühlen würde.

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Zu guter letzt empfahl man mir dann, dass ich doch gefälligst Online-Etikette anlernen solle und vielleicht lernen müsse, höfliche Unterhaltungen zu führen.

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Damit endete diese äußerst eigenartige Episode im Twitterverse wieder. Die knapp ein Dutzend Damen mittleren Alters stellten ihre aggressiven Tweets wieder ein. Der Longmire-Posse-Account und eine weitere Dame (jene, die meine Existenz in Frage gestellt hatte) blockierten mich bei Twitter und somit kann ich nun auch gar nicht mehr zum Longmire-Posse-Twitter-Account zurückkehren, selbst wenn ich wollte. Ich folge nun den Accounts mehrerer Schauspieler und eines Drehbuchautors der Serie – das muss reichen. Und wir alle lernen daraus: Leg dich nicht mit der Posse an…

Nach dem kreativen Desaster von J.J. Abrams aktuellem Machwerk ‚Star Wars: The Force Awakens‘ bin ich verstärkt dem Indy-Fieber verfallen. Das kam nicht von ungefähr: In Episode 7 wurde ein Weltraum-Abenteuer angedeutet, welches dann jedoch leider nicht stattfand. Insofern schien es konsequent, sich dem größten Abenteuerhelden der vergangenen 35 Jahren zuzuwenden: Prof. Henry „Indiana“ Jones Junior. Erst habe ich nochmal alle drei Kinofilme gesehen und dabei natürlich die Scores von John Williams genossen. Doch dann endete leider das visuelle Erlebnis.

Dann habe ich mit ‚High Road to China‘ (alternativ beworben unter dem Titel ‚Raiders of the End of the World‘ und zu Deutsch: ‚Höllenjagd bis ans Ende der Welt‘) den Tom-Selleck-Versuch eines Indy-Pendants gesehen. Dieser Film hat tolle Landschaftsaufnahmen mit den schön anzusehenden Flugzeugen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges im Fokus. Die Story des Films wiederum ist grauenhaft und die Geschlechterrollen sind mit unterirdisch noch nett beschrieben.

Mit ‚Indiana Jones und der Stab der Könige‘ gibt es übrigens ein hübsches Indy-Spiel für die Wii und die PlayStation 2 aus dem Jahr 2009. Das Spiel hat sogar einen Koop-Modus, in dem man zu zweit Vater und Sohn Jones spielen kann und gemeinsam Abenteuer haben und Rätsel lösen kann. Dessen Vorgänger ‚Indiana Jones und die Legende der Kaisergruft‘ aus dem Jahr 2003 wiederum ist mehr ein Schieß- und Prügelspiel ohne größere Rätsel. Bei diesem kommt nur wenig Indy-Feeling auf. Außerdem sind die Darstellungen von chinesischen Frauen und Männern klar vorurteilsbelastet, wenn nicht sogar offen rassistisch.

Bild eines Chinesen aus Indy und die Legende der Kaisergruft

Wenn das nicht rassistisch ist, weiß ich auch nicht…

Die beiden Spiele sind unterschiedlich gut und machen mehr oder weniger Spaß, aber eines haben sie gemeinsam: Wirklich schöne Scores von Clint Bajakian (‚Indiana Jones und die Legende der Kaisergruft‘) sowie von Gordy Haab und Ray Harman (‚Indiana Jones und der Stab der Könige‘). Ersterer hat bereits in den 1990er Jahren eng mit LucasArts zusammengearbeitet und bereits für ‚Monkey Island 2: Le Chuck’s Revenge‘ die Musik geschrieben, in letzter Zeit kennt man ihn eher von der Musik für Spiele wie die der ‚Uncharted‘-Reihe. Haab und Harman wiederum sind seit 2009 zu den Hauskomponisten bei LucasArts aufgestiegen und haben die Musik zu ‚Star Wars: Knights of the Old Republic‘ und den grafisch super aussehenden Shooter ‚Star Wars Battlefront‘ komponiert. Man hört den beiden Scores an, dass sie nicht von einem Orchester vertont wurden („Keyboard-Indy“), aber sie lassen Indy-Feeling aufkommen und machen Spaß. Links zu den Game Soundtracks findet ihr unter diesem Blogeintrag.

Doch zurück zu Indy: Um Filmen eine tiefere Ebene geben zu können, lohnt es sich meist, wissenschaftliche Aufsätze zu lesen. So gibt es auch einen interessanten Aufsatz zu Indiana Jones:

Katherine Biber: The Emperor’s new Clones: Indiana Jones and Masculinity in Reagan’s America, in: Australasian Journal of American Studies, Jg. 14 (1995), Nr. 2, S. 67–86. Hier abrufbar.

Biber beschreibt darin, wie sehr Prof. Henry Jones Junior ein Archetyp eines (männlichen) Helden ist und welche Parallelen sich zu James Bond, Superman und Han Solo ergeben. Mit einem Zitat aus dem Anfang des Aufsatzes kommen wir auch ganz schnell wieder zurück zu J.J. Abrams:

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Biber: Indiana Jones and Masculinity in Reagan’s America, S. 69.

In diesem Sinne ist Abrams der ideale Schüler von Steven Spielberg und hat mit ‚Star Wars: The Force Awakens‘ ein weiteres Mal bewiesen, wie sehr er die „Regression zum Infantilismus“ in seinen Filmen praktisch auslebt.

Indiana Jones and the Emperor’s Tomb‘ als Soundtrack auf YouTube (zusammenhängend).

Bei ‚Indiana Jones und der Stab der Könige‘ wiederum ist es nicht so einfach. Hier die nach diesem Link rekonstruierten Tracks auf YouTube:

  1. Gordy Haab: Cable Car Chase
  2. Gordy Haab: Chinatown Alley Fight
  3. Ray Harman: Chinatown SF
  4. Gordy Haab: Combat Mix
  5. Gordy Haab: Elephant Chase
  6. Gordy Haab: Fight in Panama
  7. Gordy Haab: Fight in the Desert
  8. Ray Harman: German Puzzle
  9. Ray Harman: Istanbul Museum
  10. Gordy Haab: Jungle Encounter
  11. Gordy Haab: Magnus Theme
  12. Gordy Haab: Nazi Battle
  13. Gordy Haab: Run for Your Life
  14. Gordy Haab: Sea Bed Chase
  15. Ray Harman: Sudan Desert
  16. Ray Harman: Turkish Suspense

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Die Zeichen mehren sich, dass sich CBS vollständig von dem gemeinsam mit Paramount initiierten Projekt eines kombinierten ‚Star Trek‘-Universums unter der Aufsicht von Bad Robot, der Produktionsfirma von J.J. Abrams, entfernt und wieder eigene Wege geht – zurück zum alten ‚Star Trek‘. Nach der Spaltung Viacoms in das neue Viacom und den in CBS umbenannten Altkonzern im Jahre 2005, zerfielen die Rechte an ‚Star Trek‘ auf zwei verschiedene Großkonzerne. Durch den kreativen und kommerziellen Flop von ‚Star Trek: Nemesis‘ und das (viel zu frühe) Absetzen von ‚Star Trek: Enterprise‘ schien das Franchise eh am Boden, doch nun wurde es noch schwieriger, irgendwelche Fortsetzungen in die Wege zu leiten. Der damalige Paramount-Chef Gail Berman überzeugte die CBS-Oberen auf eine neue Trek-Serie zu verzichten, um neue Wege im Filmuniversum zu gehen. Die beiden Konzerne schlossen daraufhin mit Bad Robot einen Vertrag, der die Lizenzen in die Hände von J.J. Abrams legte und diesem das Recht gab, drei Kinofilme, mehrere Serien, diverse Videospiele und noch dazu verschiedene Comic-Reihen zu schaffen (eigentlich wurde der Vertrag nur zwischen Paramount und Bad Robot geschlossen, aber CBS war indirekt involviert – über die Lizenzen). Abrams erhielt sogar das Recht zum „Final Cut“, ein Privileg, welches nicht viele Regisseure in Hollywood haben.

Der erste Film und der Startpunkt des neuen Universums war der Streifen ‚Star Trek: Die Zukunft hat begonnen‘ (so wurde er meist in Deutschland beworben, auch wenn Abrams anmaßend ihn einfach nur ‚Star Trek‘ genannt hatte) aus dem Jahr 2009. Mit quasi nicht-vorhandenden Frauenrollen, dem Ausbleiben des Verständnisses für die Philosophie von Gene Roddenberry, einer mittelmäßigen Story, einem sehr guten und passenden Cast und einem grandiosen Score gelang Abrams und dem Team von Bad Robot ein durchwachsener Start in das neue Universum. Kommerziell war der Film ziemlich erfolgreich und das Gespann aus Paramount und Bad Robot machte sich daran, weitere Filme zu drehen. Doch trotz alledem geriet fortan das gesamte Abramstrek-Projekt ins Trudeln.

Zunächst verlangte Abrams von CBS, dass der Konzern den Verkauf von Alt-‚Star Trek‘-Produkten (vor allem Bücher, Comics, Kartenspiele und diverses Merchandise) einstellen solle. Das neue Abramstrek sei das einzig wahre ‚Star Trek‘, soll der Regisseur und Produzent zu dieser Gelegenheit gesagt haben. Doch die Oberen im CBS-Konzern sahen das nicht ein und verkauften weiterhin ihre Lizenprodukte, da diese eine zwar niedrige aber konstante Einnahmequelle war. Dies führte zur Parallelität von altem und neuem Trek.

Die Comic-Reihe der Abrams-Gang startete okay, entwickelte sich jedoch schnell zu reinem Mittelmaß. Gerüchte über eine neue Trek-Serie tauchten immer wieder auf, wurden jedoch nie konkret. Mit dem Computerspiel ‚Star Trek: The Video Game‘ (ein Titel, der wieder die Anmaßung Abrams‘ im Namen trug) brachte das kanadische Studio Digital Extremes ein äußerst ambitioniertes Projekt mit der Abramstrek-Lizenz auf den Weg. Im englischsprachigen Original waren alle Schauspieler der neuen Filme als Synchronsprecher angeheuert. Das Spiel konnte jedoch überhaupt nicht überzeugen. Die Grafik reichte nicht über Spiele wie ‚Star Trek Voyager: Elite Force‘ hinaus und selbst der grandiose Score von Chad Seiter (der gegenüber dem Mateschrank bestätigte, gerne mal zum Trek-Franchise wiederkommen zu wollen) konnte das Spiel nicht retten. Es endete als Desaster.

Doch dabei sollte es nicht bleiben: Im Jahr 2013 erschien mit ‚Star Trek Into Darkness‘ der zwölfte Kinofilm des Trek-Franchises. Die Frauenrollen sind katastrophal, die politische und philosophische Botschaft platt wie aus einer Zeichentrickserie, die Handlung zerfällt nach einer halben Stunde, das große Mysterium zündete überhaupt nicht und selbst der Score von Michael Giacchino konnte nicht überzeugen. Konsequenterweise floppte das kreative Desaster auch relativ an den Kinokassen und konnte die Paramount-Zielmarken nicht erreichen (selbstverständlich spielte der Film sehr viel Geld ein, doch das Rechnen der Anzugträger in Hollywood läuft etwas anders). Zu allem Überfluss machte Abrams selbst das verkorkste Videospiel teilweise für sein Desaster verantwortlich. Ein schlechter Verlierer halt.

Das Abramstrek-Abenteuer stand damit fünf Jahre nach seinem Start vor einem Scherbenhaufen: Das Videospiel war total gefloppt, die Comic-Reihe dümpelte vor sich hin, der aktuelle Film verprellte das Fandom und erreichte nicht die von den Anzugträgern gesetzten Marken und eine weitere Serie schien nicht in Sicht. Darüberhinaus entwickelte Abrams gemeinsam mit Bad Robot eine Sci-Fi-Serie mit dem beliebten ‚Star Trek‘-Darsteller Karl Urban. Doch es war kein Abramstrek-Produkt: ‚Almost Human‘ startete im November 2013 auf dem CBS-Konkurrenzsender FOX. Das Tuch schien zerrissen. Abrams selbst floh zu Disney und Lucasfilm, um weiterhin eine Schneise der Verwüstung durch die popkulturelle Landschaft zu schlagen und mit ‚Star Wars: The Force Awakens‘ einen Film herauszubringen, der größtenteils ohne Skript ausgekommen zu sein scheint.

Fortan wagte sich CBS etwas aus der Deckung und zeigte immer weniger Respekt vor dem gemeinsamen Deal mit Bad Robot. Im Mai 2015 erschien mit ‚Trexels‘ ein Spiel für mobile Endgeräte, welches ein wenig altes Trek-Flair mit sich brachte. Im November desselben Jahres kündigte startrek.com dann endlich an, dass es eine neue ‚Star Trek‘-Serie geben würde. Diese stünde in keinem Zusammenhang zu dem neuesten Abramstrek-Film ‚Star Trek Beyond’/’Beyond Star Trek‘. Ob die Serie überhaupt im Zusammenhang mit dem Abramsverse steht, ist bisher ungeklärt. Während sich viele Fans Gedanken wegen der eigenartigen Veröffentlichungsweise auf dem CBS-Portal All Access machten, bleiben die weiteren Details der Veröffentlichung meist unbeachtet: Mit Alex Kurtzman wird zwar ein Mitglied der Abrams-Gang der Showrunner, jedoch nicht mit Bad Robot als Produktionsfirma, sondern mit seiner eigenen Firma Secret Hideout. Und das, obwohl erstere Firma nicht nur Sci-Fi-Erfahrung mit ‚Almost Human‘ hat, sondern bereits auf 18 Jahre TV-Produktionserfahrung zurückblicken kann. Es schien, als sei Kurtzmann das letzte Überbleibsel des BadRobot-Deals und quasi nur noch als Abfindung für Abrams und seine Mannen dabei.

Im Dezember 2015 schnellte dann noch das deutsche Fandom hochfreudig aus den Sitzen, als startrek.de ein erstes angebliches Poster der neuen ‚Star Trek‘-Serie von CBS brachte – mit einem Schiff der Sovereign-Klasse, also aus dem „klassischen“ Trek-Universum. Die neue CBS-Serie soll den Namen ‚Star Trek Prime‘ tragen, eine eindeutige Anspielung auf das Prime-Universum, wie das klassische Trek-Universum vor Abrams genannt wurde. Später zog startrek.de das Poster zurück und damit auch die Anerkennung der Echtheit, doch wie es dazu kam, dass solch eine Meldung auf startrek.de veröffentlicht wurde, bleibt schleierhaft.

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In das neue Jahr startete CBS dann mit zwei Apps für mobile Endgeräte, die nun wieder keinen Bezug zum Abramstrek-Universum haben. Auf der einen Seite ist da das Point-and-Click-Adventure ‚Star Trek Timelines‘ von der Spieleschmiede Disruptor Beam und auf der anderen Seite ‚Star Trek: Wrath of Gems‘ von Genera. Letzteres Spiel gibt dem Spieler die Auswahl zwischen dem TOS- und dem TNG-Universum, entpuppt sich dann aber schnell als einfacher ‚Candy Crush‘-Klon. Dieser ist war nett animiert, was den Trek-Bezug angeht, ist sonst aber nicht besonders kreativ.

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Auf der anderen Seite steht da ‚Star Trek Timelines‘, welches durch eine komplizierte Handlung krampfhaft versucht, alle Serien und Filme vor Abrams mit Hilfe der im Trek-Fandom beliebten Figur Q zusammenzuführen.

Das Spiel ist toll animiert und mit schönen Zeichnungen versehen, leidet im Deutschen jedoch dadrunter, dass es nicht vollständig oder – sollte dies vollständig sein – mit einem Standard unter Google Translate übersetzt wurde.

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IMG_0903Trotz alledem positionieren sich die Entwickler auch inhaltlich und philosophisch jenseits der Abrams-Gang und betonen, dass sie mit ihrem Spiel eine Trek-Vision transportieren wollen, die einen Zukunftoptimismus mit sich bringt, den Glauben in Fortschritt und Gleichheit stärkt und die Liebe zum Entdecken initiiert. Das steht in scharfem Gegensatz zu den Abramstrek-Filmen, die von dem Team von ‚This Week in Trek‘ zurecht als „Enterprise Destruction Porn“ bezeichnet wurden.

Alles in allem gehen vermehrt durch solche Veröffentlichungen kleine – aber immerhin – Signale von CBS (bzw. in ersterem Fall CBS All Access und in letzterem Fall von der CBS-Tocher CBS Interactive) aus, dass sich der Mediengroßkonzern von Bad Robot distanziert und damit vielleicht das Ende von Abramstrek einläutet.

Die Abrams-Gang und Paramount wiederum trudeln weiter von einem Desaster zum anderen. Zunächst sprang der talentfreie Neocon-Drehbuchautor Bob Orci von dem Projekt ab und die Studiobosse verhinderten, dass kommende Drehbuchautoren seine Entwürfe weiterbenutzen dürfen. Für Simon Pegg, der nach Orcis dubiosem Abgang seinen Job als Drehbuchautor übernahm, blieb realistischerweise nicht genug Zeit, ein ordentliches Skript zu schreiben – das Veröffentlichungsdatum musste nämlich im Jubiläumgsjahr 2016 bleiben. Dann beweisen Bad Robot und Paramount im Kampf um die Herzen der Trekkies, dass sie nichts von der bisherigen Kritik aus dem Fandom verstanden haben und veröffentlichen einen Trailer, der zurecht mit dem Satz endet „Okay, das machen wir nicht nochmal!“ Schon 2014 aufgetauchte Gerüchte, dass die Studiobosse wollten, dass ‚Star Trek Beyond’/’Beyond Star Trek‘ mehr wie ‚Guardians of the Galaxy‘ sein solle, taten ihr Übriges und waren somit bestätigt. Zu guter Letzt distanzierte sich Pegg quasi von dem Trailer zu dem von ihm geschriebenen Film. Jetzt fehlt nur noch, dass er nicht zur Premiere des Films kommt.

Wenn diese desaströse Entwicklung so weiter geht, wird das Abramstrek-Abenteuer im Jahr 2016 enden und CBS steht bereits in den Startlöchern, um 2017 beim alten Trek – welches 2005 mit ‚Star Trek Enterprise‘ vorläufig geendet hatte – wiederanzuknüpfen und neue Abenteuer „dort, wo noch nie jemand zuvor gewesen ist“ zu starten.

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Die Russen sind wieder da!

Veröffentlicht: 14. Januar 2016 von mateschrank in Mission Impossible

Soviet propaganda poster, Museum of Political History, St. Petersburg

Foto: Garrett Ziegler: Soviet propaganda poster, Museum of Political History, St. Petersburg, flickr.com CC 2.0.

Laut Klaus Dodds, einem Professor für Geopolitik an der University of London, schauen „viele Menschen Filme und genießen sie ohne unbedingt über die Handlungen, Orte oder Dialoge in größerem Maße zu reflektieren“. Reflektiert man jedoch den Inhalt des Erzählten und die visuelle Form, gelangt man schnell zu akademischen Debatten – in seinem Falle der des Kriegs gegen den Terror („For many people, films are to be watched and enjoyed without necessarily reflecting on storylines, locations, or dialogue in any great detail. If you did reflect more deeply on their narrative content and visual form then you would be in the company of scholars contributing to a debate about ‘film in an age of terror’.”, Klaus Dodds: Geopolitics – A Very Short Introduction, Oxford 2007, S. 145). Für Dodds sind Filme ein Teil der sogenannten „Popular Geopolitics” (Kandidat 1307840: Analysing Iron Man (2008), Datum unbekannt). Diese sind laut Professor Jason Dittmer vom University College London der „alltägliche geopolitische Diskurs, dem die Bürger ständig ausgesetzt sind“ („the everyday geopolitical discourse that citizens are immersed in every day”, Jason Dittmer: Popular Culture, Geopolitics & Identity, Plymouth 2010, S. 14). Vor diesem Hintergrund ist es interessant, dass in den vergangenen fünf Jahren immer mehr und immer wieder böse Russen – aber auch mit denen verbündete Belarussen, Serben und selbst Südosseten – verstärkt in nordamerikanischen TV- und Film-Produktionen auftauchen. Damit gelangt das alte Feindbild des „bösen Russen“ wieder verstärkt ins öffentliche Bewusstsein. Film und Politik verstärken somit ihr Bild vom „Feind im Osten“. 

Die Darstellung des „bösen Russen“ kann klein sein, wie in einer Folge ‚Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D.‘, die in Nord- und Südossetien, also einer Teilrepublik der Russischen Föderation und einem Raum prekärer Staatlichkeit am Rande Russlands, spielt (Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D. S01E07: The Hub). Es geht weiter in Filmen wie ‚Jack Ryan: Shadow Recruit‘, in welchem ein böser russischer Geschäftsmann eine Wirtschaftskrise auslösen will. Bis hin zum absoluten Tiefpunkt, dem hochkarätig besetzten Thriller ‚Child 44‘, in welchem die Sowjetunion dargestellt wird wie Mordor, wie es der russische Kulturminister Wladimir Medinski treffend beschrieb. Letzterer Film wurde in den Staaten der Eurasischen Union (Belarus, Kasachstan, Kirgisistan und Russland) zurecht nicht in den Kinos gezeigt, jedoch auch nicht in der Ukraine und erst verspätet in Georgien. 

Zum Nachdenken hier mal eine kleine Auflistung von Filmen und Serien aus den USA, in denen „böse Russen“ eine größere Rolle spielen.
Filme:

– Iron Man 2 (2010)

– Mission: Impossible – Ghost Protocol (2011) [ambivalente Rolle]

– Tinker Tailor Soldier Spy (2011)

– Jack Reacher (2012)

– Die Hard 5 (2013)

– The November Man (2014)

– Jack Ryan: Shadow Recruit (2014)

– The Man from U.N.C.L.E. (2015) [ambivalente Rolle]

– Bridge of Spies (2015)

– Child 44 (2015)

Serien:

– The Assets (2014)

– The Americans (ab 2013)

– Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D. (seit 2013)

– House of Cards – Staffel 3 (2015) [eine Kompilation von anti-russischen Klischees]

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Die Prequels gehen weiter

Veröffentlicht: 22. Dezember 2015 von mateschrank in Abrams, Filme, John Williams, Lucas, Lucasfilm, Star Trek, Star Wars

== Review inklusive Spoiler für ‚Star Wars: The Force Awakens‘ ==

Nach einem großen Hype ist nun endlich ‚Star Wars Episode 7: The Force Awakens‘ erschienen. Der Film beginnt stark mit der Einführung der drei neuen Hauptcharaktere Poe, Finn und Rae (auch wenn Poe schnell wieder verschwindet), doch ab circa einer Stunde fällt wieder alles auseinander. In typischer Abrams-Manier wird dann in der zweiten Hälfte des Films alles Mögliche sinnlos recyclet und mehr auf Effekte als auf Handlung und Charakterentwicklung gesetzt.

Die Handlung wirft mehr Fragen auf als bestimmt jeder Abrams-Film zuvor:

Wie soll das gehen von Lichtgeschwindigkeit auf einen Planeten zu hüpfen? Wieso verhängt der Erste Orden keine Blockade über Jakku (dazu hat man Sternenzerstörer), wenn sie auf dem Planeten einen Droiden suchen? Wieso gibt es noch die Rebellion, wenn die neue Republik auch schon wieder existiert (die Rebellion hat ja für die Wiederherstellung der Republik gekämpft)? Wie konnte der Erste Orden Poe nicht auf dem Planeten finden? Wie stark ist der Erste Orden (hat er nur einen Planeten?)? Ist er mit der Vernichtung des Hauptplaneten nun ebenso vernichtet? Wie stark war die Neue Republik? Ist sie nun vollständig untergegangen? Wie kann BB-8s Karte einen „unbekannten Teil der Galaxis“ abbilden (wie es am Anfang des Films gesagt wird), wenn sie am Ende des Films so eindeutig in R2-D2s Karte hineinpasst? Kennt der Widerstand dieses Viertel der Galaxis einfach nicht? Wieso nicht?

Und noch viele Fragen mehr…

Der Film ist nach Oscarpreisträger Michael Arndts Rausschmiss deutlich umgeschrieben worden und das Skript ist geprägt durch offensichtlich schlechtes Schreiben (die Hälfte der längeren Unterhaltungen werden wieder durch Explosionen und andere „Zufälle“ unterbrochen (wie bei ‚Star Trek 12‘), die Herkunft von Lukes Lichtschwert wird nicht erklärt, Rae wird zur zweitmächtigsten Jedi, indem sie gefoltert wird und weil sie es will sowie noch vieles mehr).

Dieser Film hat gar keine Brücke zur Original-Trilogie geschlagen, da er anscheinend in einem komplett anderen Teil des Universums spielt und kaum Fragen beantwortet, sondern nur neue aufwirft. Auch in dieser Frage ist das Machwerk eine herbe Enttäuschung. Solche Aussagen eines Drehbuchautors haben ja schon vorher jeden ‚Star Wars‘-Fan erschüttern lassen, wer da ans Skript gelassen wurde:

„And with the canon — everyone refers to the canon, but it has zero meaning to me. I don’t know what the canon is. I cannot get that straight.“

Aus: Josh Rottenberg: Star Wars screenwriter Lawrence Kasdan on the past, present and future of ‚Star Wars‘, latimes.com 03.12.2015.

Das Duo Abrams und Kasdan haben dafür extra den talentierteren Drehbuchautor gefeuert, damit Abrams sein belangloses Effektfeuerwerk abziehen kann:

„Episode VII hat sich entscheidend verändert, seit Oscarpreisträger Michael Arndt das Projekt verlassen hat. Mehreren Quellen zufolge war der Grund für diese Trennung nicht der Zeitfaktor, wie zeitweise vermeldet wurde, sondern Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Hauptfiguren.

In Arndts Version standen die Nachfahren von Luke, Han und Leia im Mittelpunkt, während die alten Helden nur in Nebenrollen auftauchen sollten. Abrams wollte hingegen, dass die alten Helden zumindest in Episode VII erneut im Mittelpunkt stehen, damit sich die Zuschauer von ihnen verabschieden können. Die neuen Figuren werden hingegen nur Nebenrollen übernehmen und erst in Episode VIII und IX im Mittelpunkt stehen. Aus diesem Grund wurden einige Figuren aus Arndts Drehbuch gestrichen, einige neue wurden hinzugefügt.“

Aus: Aaron: Gerüchtemix: Die Großen Drei im Mittelpunkt, starwars-union.de 12.01.2014.

Die Musik von John Williams kann leider auch nicht überzeugen und wirkt zur Hälfte abgekupfert und zur anderen Hälfte ideenlos. Auch hier stellen sich wieder Fragen, wie z.B. Wenn der Erste Orden so offensichtlich die Fortsetzung des Imperiums ist, wieso ist die Musik dann eine komplett andere?

Abrams Regiestil (schnelle Schnitte, fahrende Kameras an Menschen entlang und um Menschen herum, Wackelkamera etc.) ist eindeutig wiederzuerkennen und er erinnert stark an die Abramstrek-Filme, was auf einer zusätzlichen Ebene verwirrend ist.

Am Anfang beginnt der Film wie ein Space-Adventure, was richtig Spaß hätte machen können. Vielleicht ging ja Arndts Drehbuch in diese Richtung. Die rote Linie auf der Galaxiskarte der beiden Droiden deutet so etwas an und lässt etwas viel Kreativeres erahnen. Leider biegt die Handlung dann in Maz Kanatas Festung ab und der Film wird immer schneller und substanzloser.

Insgesamt bleibt zu sagen: ‚The Force Awakens‘ hat zu wenig Handlung, zu viele Re-Hashes, zu viele Plot-Löcher („so groß wie Arizona“, wie Fefe schrieb), zu viele Zufälle, zu wenig Charakterentwicklung, zu viele Charaktere, zu viel sinnloser offensichtlicher Fan-Service (wie z.B. der „zufällig“ angeschaltete Dejarik-Tisch), ein zu schlechter Score und noch vieles mehr. Das, was Abrams hier abgeliefert hat ist eine Fortsetzung der Prequels ohne großes Gefühl für die Stärken der Original-Trilogie.

J.J. Abrams hat als Drehbuchautor und Regisseur – von ‚Filofax – Ich bin du und du bist nichts‘ (Originaltitel: ‚Taking Care of Business‘ – eine Komödie mit Jim Belushi auf der Höhe seiner Zeit, die nicht lustig ist) an – fast alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Sein Exkurs ins ‚Star Trek‘-Universum endete im kreativen Desaster und CBS scheint sich davon nun auch leicht distanzieren zu wollen. ‚Star Wars: The Force Awakens‘ ist ein weiterer Beweis dafür, dass Abrams zwar beeindruckende Bilder erzeugen aber keine guten Geschichten erzählen kann. Es ist einfach nur enttäuschend. Jetzt müssen ‚Rogue One‘ und ‚Episode 8‘ alles wieder ausbügeln. Soweit das überhaupt möglich ist…

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==Alles voller Spoiler==

‚SPECTRE‘ von dem eigentlich talentierten Regisseur Sam Mendes ist nun raus. Die Handlung des Films kann man gut als grauenhaft zusammenfassen. Die Motivationen der Charaktere bleibt größtenteils unklar. Das Beispiel dafür ist Madeleine Swann (Léa Seydoux):

Swann will nichts von ihrem Vater wissen – Swann will wissen, was mit ihrem Vater geschehen ist; Swann will nichts von Bond – Swann liebt ihn; Swann kommt mit nach London – Swann will mit dem Agentenkram nichts mehr zu tun haben.

Die Geschlechterrollen sind einfach nur schlimm, der Film erfüllt nicht den Bechdel-Test. Der absolute Tiefpunkt der Damen ist Monica Beluccis Charakter: Sie hatte nichts unter dem Beerdigungskleid an, schläft vollkommen ohne Motivation mit dem Mörder ihres kürzlich verstorbenen Ehemannes [obwohl sie meinte, in fünf Minuten kommen ihre nächsten Killer] und hat danach [!] auf dem Bett liegend ein Korsett an [Was haben sie genau gemacht?]).

Die Spezialeffekte sind teilweise katastrophal (vor allem im Opening Shot: Craig-Kopf auf Stuntman, der vor einem Green-Screen langläuft und das obwohl das Szenario nicht einmal besonders gefährlich war), die Beleuchtung/Farbpalette kam mir vor wie aus ‚Star Wars: Episode 2‘ und der Score prägt vor allem eine Lustlosigkeit (hauptsächlich Wiederholungen von Thomas Newmanns ‚Skyfall‘). Manche Sachen ergeben einfach überhaupt keinen Sinn: Hat Mr. White (Jesper Christensen) bei jedem Besuch im L’Americain die Wand zertreten und dann wieder zugemauert? Wieso hat die kleine Madeleine das nicht mitbekommen? Wo landete das Flugzeug, mit welchem Bond um die Klinik auf dem Berg gekreist ist? Was war die Motivation von S.P.E.C.T.R.E. Swann zu jagen? Kann die marokkanische Eisenbahn nur Rechtskurven bauen? Was für eine Relevanz hatte es, dass Blofeld Bond von früher kannte? Hat keiner von den marokkanischen Schurken den Umgang [vor allem das Zielen] mit Pistolen und Gewehren gelernt? Was sollte die Schnitzeljagd im alten Geheimdienstgebäude? Wie viele Tage Vorbereitung hat S.P.E.C.T.R.E. dafür gebraucht? Müssen Hubschrauber entlang von Wasserwegen fliegen?

Christoph Waltz als lang erwarteter Bond-Bösewicht kann leider überhaupt nicht glänzen. Moneypenny (Naomie Harris) und Tanner der Assistent von M (Rory Kinnear) sind in dem Film quasi überflüssig.

Zum Positiven: Cinematographisch ist es meist gut, Q (der talentierte Ben Whishaw) macht Spaß (der Humor war allgemein gut) und die Autoverfolgungsjagd mit Bond (Daniel Craig) und Mister Hinx (Dave Bautista) ist klasse.

Aber trotzdem: Der Film hat nächträglich eine Schneise der Verwüstung in die Craig-Reihe geschlagen (Was hatte Silvas Rache beispielsweise mit S.P.E.C.T.R.E. zu tun?) und wird mein „Kristallschädel-Indy“ – also der Teil, den ich einfach nur leugnen werde.

Ich sage das nicht oft, aber ein Reboot muss her:

Am besten Idris Elba (bekannt aus ‚Luther‘), Matthew Goode (Adrian Veidt/Ozymandias in ‚Watchmen: Die Wächter‘ und Hugh Alexander in ‚The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben‘), Damian Lewis (‚Life‘, ‚Band of Brothers – Wir waren wie Brüder‘ und ‚Homeland‘) oder Emily Blunt (‚Sicario‘, ‚Edge of Tomorrow‘ und ‚Looper‘) in den 1970er Jahren, dann kommt auch keiner auf die bescheuerte Idee, Bilder und Animationen in Code zu malen. David Arnold, der Komponist der grandiosen Scores von ‚Casino Royale‘ und ‚Quantum of Solace‘ sollte zurückkehren. Das wäre dann ein interessanter Neuanfang.

Bild von Flicker (https://www.flickr.com/photos/nathaninsandiego/2723935244/in/photolist-59GT3L-7A91aL-9yqf58-cwyrXf-9prD-dWisS4-4PshJb-n75TYv-67gPhg-6nf29A-nNEj8-88DJSw-4tBby6-arQFp1-9FwT97-q3Gi9Y-88Av58-9FBJ7Q-9Uv9YD-8dgE2D-5cjFSh-5cfiRX-ax4Z2k-6naH96-6Hi3eR-axRpfd-6kf2r1-9gXh7w-m5b8gn-7fej1f-9aRJpM-6nf2tj-a7p28Z-d4SYAL-2PBcZN-9w1XJZ-bdDy6e-6neSEh-6T97KB-6qbNqA-9w1XGT-8j2Bp1-pR9Kn5-76eMNL-atV6P2-4ebuUH-ufgzTN-cnYigW-cVMBi-tncLx)* Review (spoilerfrei) von ‚Terminator: Genisys‘ mit Arnold Schwarzenegger *

Zum ersten Mal seit 2003 kommt diesen Sommer die „Styrian Oak“ auf die große Leinwand. Viele haben bei ‚Terminator: Genisys‘ nur das Schlimmste erwartet, doch diese Stimmen müssen enttäuscht werden. ‚Terminator: Genisys‘ ist ein interessanter Remix, der viel mit Zeitreisen spielt und die meisten Fäden, die gespannt werden, auch wieder einsammelt (im Gegensatz z.B. zu den ‚Star Trek‘-Filmen von J. J. Abrams).

Die Geschichte beginnt, wie so oft, in einer dystopischen Zukunft, in welcher die Menschen gegen die Maschinen unter der Führung des ultimativen ‚Skynet‘-Systems kämpfen. Später im Film werden die Zeitepochen der 1970er, der 1980er und der 2010er gestreift. Es wird nicht alles komplett erklärt, aber der Film erzählt seine Geschichte und dies meist gut, teilweise sogar sehr gut.

Im Gegensatz zu vielen Blockbustern der heutigen Zeit, in denen sich keine Zeit mehr genommen wird, auch ruhige Momente einzustreuen, hat ‚Terminator: Genisys‘ durchaus auch seine Charaktermomente. Zwar sind diese teilweise hölzern durch Emilia Clarke und Jai Courtney gespielt, aber sie sind trotzdem eine schöne Abwechslung zu den Action-Momenten. Vielleicht war es deswegen eine gute Wahl den Regisseur von einigen Serienfolgen wie z.B. bei ‚Sopranos‘ bis hin zu ‚Mad Men‘ genommen zu haben.

Schwarzenegger ist in der Rolle seines Lebens so gut wie eh und jeh. Jason Clarke (bekannt aus ‚The Chicago Code‘, ‚Zero Dark Thirty‘ und ‚Dawn of the Planet of the Apes‘ bzw. auf Deutsch ‚Planet der Affen: Revolution‘ – wirklich) wirkt leider nicht überzeugend. Emilia Clarke (vor allem bekannt durch ihre Rolle in ‚Game of Thrones‘) überzeigt leider auch nicht und wirkt nicht wie eine Sarah Connor, die schon lange dafür trainiert, gegen Terminatoren zu kämpfen. Jai Courtney schauspielert zum ersten Mal in seinem Leben wirklich (seine Rollen in ‚Jack Reacher‘ und ‚A Good Day to Die Hard‘ zähle ich absichtlich nicht als Schauspielerei), wenn auch nicht überragend. J. K. Simmons (vor allem bekannt als J. Jonah Jameson in Sam Raimis ‚Spiderman‘-Reihe), Matt Smith (der elfte Doktor aus ‚Doctor Who‘) und der südkoreanische Schauspieler Lee Byung-hun (‚The Good, the Bad, the Weird‚) haben schöne Nebenrollen und bereichern den Film durchaus.

Die Spezialeffekte im Film schwanken – meist zum Glück zwischen gut und sehr gut. Teilweise wirken die Effekte aber auch wie generische Videospieleffekte. Vor allem im Endkampf sind sie aber durchaus überzeugend.

Der Twist, welcher schon im Trailer verraten wird, ist zum Glück kein großer. Im Gegensatz zu ‚Terminator: Salvation‘, der die Hälfte des Films darauf hinarbeitet zu enthüllen, was schon im Trailer gezeigt wurde, zieht sich der Aufbau der Spannung hier eher fünf Minuten lang und wird dann schnell gelöst. Im gesamten Film gibt es stattdessen viel mehr überraschende Wenden, die die Trailer zum Glück nicht verrieten. Andere Sachen wurden in den Trailern und der PR-Kampagne bewusst verschleiert.

Die Musik ist auch fast immer gut und manchmal sogar sehr gut. Lorne Balfe, einer der vielen Komponisten aus der Schmiede von Hans Zimmer (der als „executive music producer“ fungiert, was auch immer das sein mag), hat noch nicht sein Meisterwerk hingelegt, aber nach dem eher öden Score zu ‚Assassin’s Creed III‘ einen schönen modernen Action-Score mit einigen Anleihen in der klassischen ‚Terminator‘-Musik vorgelegt.

Alles in allem ist ‚Terminator: Genisys‘ ein schöner, ziemlich gut verständlicher Sommer-Blockbuster, auf den man sich einlassen muss (und dann macht er auch Spaß) und der vielleicht den Auftakt zu einer neuen Trilogie von Tötungsmaschinenfilmen liefert.